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Warten auf den Unterhaltsvorschuss

 
 

Der Staat unterstützt Sie mit dem Unterhaltsvorschuss, wenn Sie Ihr Kind allein erziehen und vom anderen Elternteil keinen oder zu geringen Kindesunterhalt bekommen. Da der Monat meist länger ist, als der Geldbeutel voll ist, warten viele Alleinerziehende Richtung Monatsende sehnsüchtig darauf, dass der Unterhaltsvorschuss auf dem Girokonto gutgeschrieben wird. Genau daran hapert es aber oft.

Wann ist der Unterhaltsvorschuss normalerweise fällig?

 

Der Unterhaltsvorschuss soll den laufenden Lebensbedarf Ihres Kindes so gut es geht abdecken. Deshalb ist der Vorschuss in der Regel spätestens bis zum 30. des Vormonats fällig und sollte auf Ihrem Konto eingehen.

Beispiel

Der Unterhaltsvorschuss für den Monat April sollte also spätestens zum 30. März auf Ihrem Konto verfügbar sein. Fällt der Monatsletzte auf einen Samstag oder Sonn- oder Feiertag, ist der nächste Werktag Buchungstag.

Was verzögert die Zahlungen?

Warten Sie auf den Unterhaltsvorschuss oder den Bewilligungsbescheid, kann es für Verzögerungen unterschiedliche Gründe geben.

Unterhaltsvorschuss-Reform

Zum 1.7.2017 gab es eine Unterhaltsvorschuss-Reform. Sie führte dazu, dass seitdem auch Kinder zwischen neun und 17 Jahren Anspruch auf Unterhaltsvorschuss haben und zudem die Leistungsdauer nicht mehr begrenzt ist. Sie erhalten also theoretisch für Ihr Kind 18 Jahre lang bis zu dessen Volljährigkeit Unterhaltsvorschuss.

Aufgrund der Reform ist der Kreis der Personen, die Anspruch auf Unterhaltsvorschuss haben, enorm gestiegen. Die Behörden berichten, dass sich der Kreis der anspruchsberechtigten Personen teilweise verdoppelt oder verdreifacht hat. Da das für die Sachbearbeitung notwendige Personal nicht überall vorhanden ist, verzögert sich die Bearbeitung der Neuanträge. Immerhin haben einige Unterhaltsvorschusskassen erklärt, dass sie Anträge vorrangig bearbeiten wollen, wenn Anspruchsberechtigte vom Jobcenter keine Leistungen erhalten und deshalb unbedingt auf den Unterhaltsvorschuss angewiesen ist. Aufgrund der hohen Zahl vorliegender Anträge soll es abhängig vom Wohnort zu Wartezeiten bis sechs Monaten und länger kommen. Im Normalfall werden Anträge binnen eines Monats bearbeitet.

Fehlende Unterlagen

Eine andere Erklärung für verzögerte Zahlungen kann sein, dass Sie vielleicht nicht alle notwendigen Unterlagen vorgelegt haben und die Unterhaltsvorschusskasse Unterlagen nachfordert. Sie sollten also darauf achten, dass wirklich alle Unterlagen bei der Unterhaltsvorschusskasse vorliegen. Die Unterhaltsvorschusskassen halten Merkblätter bereit, auf denen alle relevanten Unterlagen aufgelistet sind.

Berücksichtigen Sie, dass Sie die Arbeitsabläufe bei der Unterhaltsvorschusskasse möglicherweise verzögern, wenn Sie dort ständig nachfragen. Besser ist, wenn Sie von vornherein dafür Sorge tragen, dass Ihr Antrag mit den notwendigen Unterlagen versehen ist. Am besten ist, wenn Sie sich frühzeitig mit den Voraussetzungen vertraut machen, unter denen Unterhaltsvorschuss gewährt wird. Dann sollten Sie den Unterhaltsvorschuss möglichst durch persönliche Vorsprache im Amt beantragen und eventuelle Unklarheiten abklären.

Veränderte finanzielle Verhältnisse

Beachten Sie, dass Ihr Anspruch auf Unterhaltsvorschuss neu zu bewerten ist, wenn Ihr Kind nach dem 12. Lebensjahr Arbeitslosengeld II bezieht oder Sie selbst Arbeitslosengeld II beziehen und nicht mindestens ein eigenes Nettoeinkommen von 600 EUR haben.

Veränderte familiäre Verhältnisse

Betreuen Sie Ihr Kind organisatorisch gleichermaßen mit Ihrem Ex-Partner im Wechselmodell, entfällt der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Ihr Anspruch entfällt zudem, wenn Sie mit dem anderen Elternteil wieder zusammenziehen, der Elternteil jetzt doch wieder Kindesunterhalt zahlt oder das Kind ganztägig beim anderen Elternteil lebt.

Missachtung Ihrer Mitwirkungspflichten

Da die Unterhaltsvorschusskasse den Unterhaltsvorschuss vom unterhaltspflichtigen Elternteil zurückfordert, sind Sie verpflichtet, mitzuwirken, die Person und die Anschrift des unterhaltspflichtigen Elternteils festzustellen. Da Sie eine staatliche Leistung beziehen wollen, müssen Sie sich auch darum bemühen, dass die Unterhaltsvorschusskasse den Regress gegenüber den anderen Elternteil prüfen und ermöglichen kann. Sie tun sich keinen Gefallen, wenn Sie den Elternteil, mit dem Sie vielleicht noch immer zusammenleben, einfach nicht angeben, um Unterhaltsvorschuss zu beziehen, ohne den Partner einem späteren Regress auszusetzen.

Übergangslösung Jobcenter

Verzögert sich die Zahlung des Unterhaltsvorschusses, ist es möglich, dass Ihr Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhaltes auch weiterhin vom Jobcenter sichergestellt wird. Sie erhalten dann Leistungen, bis tatsächlich der Unterhaltsvorschuss zur Auszahlung kommt.

Gehen Sie mit einem Pfändungsschutzkonto auf Nummer sicher

Befürchten Sie eine Kontopfändung eines Gläubigers, sollten Sie Ihr Girokonto als Pfändungsschutzkonto führen. Auf Ihren Antrag ist jede Bank gesetzlich verpflichtet, ein bereits bestehendes Girokonto innerhalb einer Frist von drei Banktagen in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umzuwandeln.

Ein solches P-Konto ist ein reines Guthabenkonto, das Sie nicht überziehen können. Sollte ein Gläubiger tatsächlich das Konto pfänden, bleibt Ihr Guthaben auf dem Konto bis in Höhe Ihres Freibetrages von der Pfändung geschützt. Der Gläubiger kann dieses Guthaben also nicht pfänden. Ihr persönlicher Freibetrag beträgt 1.178,59 EUR. Der Freibetrag erhöht sich für Ihr 1. Kind um 443,57 EUR und für jedes weitere Kind um 247,12 EUR.

Wird zudem das Kindergeld auf Ihr Girokonto überwiesen, ist auch das Kindergeld pfändungsfrei. Mit einem Pfändungsschutzkonto können Sie also jederzeit auf Ihr Guthaben bis zur Höhe Ihrer Freibeträge zugreifen.

Alles in allem

Warten Sie sehnsuchtsvoll auf den Unterhaltsvorschuss, sollten Sie vielleicht prüfen, ob es Gründe gibt, aus denen sich Verzögerungen erklären lassen könnten. Lesen Sie in dem eventuell vorhandenen Schriftverkehr nach, ob Sie etwas übersehen haben. Notfalls rufen Sie tatsächlich beim Amt an.