Ratgeber

Düsseldorfer Tabelle

348 €. Dies ist der Mindestunterhaltsanspruch für ein Kleinkind nach der Düsseldorfer Tabelle. Er dient der Existenzsicherung. Die Düsseldorfer Tabelle gibt Auskunft, welchen Kindesunterhalt Kinder letztlich beanspruchen können. Ihr minderjähriges Kind hat auf jeden Fall Anspruch auf den Mindestunterhalt, unabhängig davon, wie viel Sie als unterhaltspflichtiger Elternteil verdienen. Unterhaltsstreitigkeiten erscheinen daher als überflüssig. Dennoch wird allzu oft darüber gestritten. Lesen Sie, nach welchen Kriterien Ihr Kind Kindesunterhalt fordern kann oder nach welchen Kriterien Sie Kindesunterhalt zahlen müssen.

Das Wichtigste zum Thema „Düsseldorfer Tabelle“ für Sie:

  • Die Düsseldorfer Tabelle ist die Richtlinie, nach der Gerichte den Kindesunterhalt berechnen.
  • Die Tabelle wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Aktuell ist die Fassung vom 1.1.2018.
  • Die Tabelle legt Mindestbeträge fest, die sich am doppelten sächlichen Kinderfreibetrag des Einkommensteuergesetzes orientieren.
  • Der Unterhalt wird in Abhängigkeit von den Einkommensgruppen 1 - 10, der Altersgruppe des Kindes, dem Bedarfskontrollbetrag und Selbstbehalt unter Anrechnung der Hälfte des Kindergeldes errechnet.
  • Zum 1.1.2018 wurden neben der Erhöhung der Tabellenbeträge auch strukturelle Änderungen vorgenommen.
  • Wenn Sie nicht alle Ihre Unterhaltspflicht erfüllen können, liegt ein Mangelfall vor. Dann wird Ihr verfügbares Einkommen nach einer Rangfolge der unterhaltsberechtigten Person verteilt.
  • Auch wenn Ihr Kind Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt bezieht, besteht Ihre Verantwortung für die Zahlung des Kindesunterhalts fort.

Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Die Düsseldorfer Tabelle listet die Zahlbeträge für den Kindesunterhalt auf. Sie wird von den Gerichten weitgehend übereinstimmend bei der Unterhaltsberechnung angewandt.

Die Düsseldorfer Tabelle listet die Zahlbeträge für den Kindesunterhalt auf. Sie wird von den Gerichten weitgehend übereinstimmend bei der Unterhaltsberechnung angewandt.

Gerichte hatten sich früher immer sehr schwergetan, den Kindesunterhalt zu beziffern. Dieses Dilemma soll die Düsseldorfer Tabelle beseitigen. Nach der Tabelle berechnen die Familiengerichte den Kindesunterhalt. Die Tabelle stammt aus dem Jahr 1962. Sie wurde ursprünglich vom Landgericht Düsseldorf entwickelt und wird seither vom Oberlandesgericht Düsseldorf veröffentlicht. Die Tabellenbeträge werden in regelmäßigen Abständen angepasst. Derzeit ist die Fassung vom 1.1.2018 aktuell. Die nächste Anpassung steht zum 1.1.2019 an. Auch wenn die Tabelle keine Gesetzeskraft hat, wird sie von den Gerichten dennoch als maßgebliche Richtlinie für die Berechnung des Kindesunterhalts angewandt.

Düsseldorfer Tabelle (Stand 1. Januar 2018)

  Nettoeinkommen des Barunter­haltspflichtigen Altersstufen in Jahren % Bedarfs­kontrollbetrag
    0 - 5 6 - 11 12 - 17 ab 18    
1. 1.900 348 399 467 527 100 880/ 1.180
2. 1.901 - 2.300 366 419 491 554 105 1.300
3. 2.301 - 2.700 383 439 514 580 110 1.400
4. 2.701 - 3.100 401 459 538 607 115 1.500
5. 3.101 - 3.500 418 479 561 633 120 1.600
6. 3.501 - 3.900 446 511 598 675 128 1.700
7. 3.901 - 4.300 474 543 636 717 136 1.800
8. 4.301 - 4.700 502 575 673 759 144 1.900
9. 4.701 - 5.100 529 607 710 802 152 2.000
10. 5.101 - 5.500 557 639 748 844 160 2.100

Nebenbei: Wie kommen die Unterhaltsbeträge zustande?

Die Zahlung von Kindesunterhalt eine gute Investition in die eigene Zukunft

Die Zahlung von Kindesunterhalt eine gute Investition in die eigene Zukunft

Der Gesetzgeber hat es übernommen, nach Einschätzung der Lebenshaltungskosten Mindestbeträge festzusetzen, die das Existenzminimum eines Kindes möglichst sichern sollen. Dass auch der sich daraus ergebende Mindestunterhalt im Lebensalltag meist nicht ausreichend ist, liegt auf der Hand. Nach § 1612a BGB ergibt sich der Mindestunterhalt minderjähriger Kinder gegenüber dem barunterhaltspflichtigen Elternteil als der doppelte „sächliche Kinderfreibetrag“ des Einkommensteuergesetzes. Der sächliche Kinderfreibetrag beträgt für 2018: 4.788 € (2 x 2.394 €), somit monatlich 399 €. Dieser Betrag ist die Bezugsgröße für den Mindestunterhalt für Kinder der zweiten Altersstufe im Alter von 6 bis 11 Jahren (100 %). Daraus ergeben sich folgende Monatsbeträge für den Mindestunterhalt:

  • In Altersstufe 1 (0 – 5 Jahre): 348 € = 87 %,
  • in Altersstufe 2 (6 – 11 Jahre): 399 € = 100 % und
  • in Altersstufe 3 (12 – 17 Jahre): 467 € = 117 % dieser Bezugsgröße.

Wie ist die Düsseldorfer Tabelle zu lesen?

Einkommensgruppen 1-10

Die Höhe des Unterhalts hängt von Ihrem sogenannten bereinigten Nettoeinkommen ab. Es ergibt sich, wenn Sie von Ihrem Bruttoeinkommen Ihre Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuer, berufsbedingte Aufwendungen und berücksichtigungsfähige Schulden abziehen. Je nachdem werden Sie in eine der Einkommensgruppen 1 - 10 eingeordnet. Liegt Ihr Einkommen über 5.501 EUR netto, wird der Unterhaltsanspruch in Abhängigkeit vom Einzelfall ermittelt.

Altersgruppe des Kindes

Die Düsseldorfer Tabelle enthält drei Altersgruppen für minderjährige Kinder sowie eine Altersgruppe für volljährige Kinder. In der Einkommensgruppe 1 ersehen Sie den Mindestunterhalt, der gemäß der „Verordnung zur Festlegung des Mindestunterhalts minderjähriger Kinder“ nach § 1612a BGB gesetzlich festgelegt wurde. Diesen Mindestunterhalt müssen bzw. sollten Sie auf jeden Fall zahlen, unabhängig von Ihren wirtschaftlichen Verhältnissen. Um Ihrer elterlichen Verantwortung gerecht zu werden, müssen Sie jede zumutbare Arbeit annehmen.

Prozentsatz

Die Rubrik Prozentsatz bringt die Steigerung des Unterhalts zum Ausdruck, der sich in den höheren Einkommensgruppen gegenüber der Einkommensgruppe 1 und damit dem Mindestbedarf ergibt. Die Angabe ist informatorisch.

Unterhaltsbeträge gelten für zwei unterhaltsberechtigte Personen

Die angegebenen Unterhaltsbeträge gehen davon aus, dass Sie zwei unterhaltsberechtigte Personen unterhalten müssen (Elternteil und Kind oder zwei Kinder). Müssen Sie für mehr oder weniger als zwei Berechtigte Unterhalt zahlen, sind Sie in eine höhere bzw. niedrigere Einkommensgruppe einzustufen.

Bedarfskontrollbetrag und Selbstbehalt

Auch wenn Sie Kindesunterhalt zahlen müssen, ist der Gesetzgeber darauf bedacht, dass Ihnen Ihr Existenzminimum verbleibt. Ihr notwendiger Eigenbedarf (Selbstbehalt) beträgt 1.080 €, wenn Sie erwerbstätig sind und 880 €, wenn Sie nicht erwerbstätig sind. Dieser Selbstbehalt ist mit dem Bedarfskontrollbetrag in der Rubrik 4 der Düsseldorfer Tabelle in der Einkommensstufe 1 identisch. Danach steigt der Bedarfskontrollbetrag an. Zweck ist, dass Ihr Einkommen ausgewogen verteilt wird. Unterschreiten Sie den Bedarfskontrollbetrag in der jeweiligen Einkommensgruppe aufgrund weiterer Unterhaltsverpflichtungen, sind Sie in die nächstniedrigere Einkommensgruppe einzustufen, in der der Bedarfskontrollbetrag nicht unterschritten wird.

Anrechnung des Kindergeldes

In der Düsseldorfer Tabelle ist das Kindergeld nicht berücksichtigt. Fließt das Kindergeld dem betreuenden Elternteil zu, ist die Hälfte auf den sich aus der Düsseldorfer Tabelle ergebenden Unterhaltsbetrag anzurechnen. Sie zahlen also im Ergebnis weniger, als in der Düsseldorfer Tabelle angegeben ist.

Zum 1.1.2018 soll es Änderungen gegeben haben. Welche sind das?

Die Düsseldorfer Tabelle wurde zum 1.1.2018 über die bloße Anhebung der Unterhaltsbeträge hinaus auch strukturell angepasst. Die Einkommensstufe 1 war früher auf ein Nettoeinkommen von 1.500 € begrenzt. Nunmehr sind 1.900 € maßgebend. Dadurch erhalten Kinder, deren Elternteil früher in der Einkommensstufe 2 eingeordnet und damit höheren Unterhalt zahlte, nunmehr weniger Kindesunterhalt, da dieser Elternteil nunmehr in Einkommensstufe 1 eingeordnet ist. Standardmäßig wurden die Unterhaltsbeträge in der Mehrzahl angepasst, aufgrund der strukturellen Änderungen aber auch teilweise abgesenkt. Ferner wurde der Ausbildungsmehrbedarf für in der Berufsausbildung befindliche Kinder von 90 € auf 100 € angehoben. In der Einkommensstufe 10 wurde das Nettoeinkommen von 5.100 € auf 5.501 € erhöht. Auch die Bedarfskontrollbeträge wurden angepasst.

Düsseldorfer Tabelle in einem Schaubild dargestellt

Schaubild:
Düsseldorfer Tabelle in einem Schaubild dargestellt

Ich kann nicht alle meine Unterhaltsverpflichtungen erfüllen (Mangelfall)

Wenn dem Ehegatten kein Einkommen weiter angerechnet wird, ist eine Mangelfallberechnung vorzunehmen.

Wenn dem Ehegatten kein Einkommen weiter angerechnet wird, ist eine Mangelfallberechnung vorzunehmen.

Reicht Ihr Einkommen nicht aus, um alle Unterhaltsverpflichtung erfüllen, geht das Unterhaltsrecht von einem Mangelfall aus. § 1609 BGB legt dafür eine Rangfolge fest. Vorrangig sind minderjährige und privilegierte Kinder (volljährige Kinder, die sich in der Berufsausbildung befinden und bei einem Elternteil wohnen) zu unterhalten. Im zweiten Rang folgt Ihr Ex-Ehegatte, der das Kind betreut. Volljährige, nicht privilegierte Kinder sind erst im vierten Rang zu bedienen. Können Sie mit Ihrem Einkommen nur den ersten Rang bedienen, muss sich derjenige, der im Rang nachfolgt, mit dem Rest zufriedengeben oder erhält überhaupt keinen Barunterhalt (einfacher Mangelfall). Reicht Ihr Einkommen nicht einmal aus, um die im ersten Rang stehen Unterhaltspflichten zu erfüllen, ist Ihr Einkommen nach Abzug Ihres Selbstbehalts auf die Kinder aufzuteilen (absoluter Mangelfall).

Das Kind soll Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt fordern. Ich will meine Ruhe.

Verweigern Sie den Kindesunterhalt oder verfügen Sie über keinerlei Einkommen, kann Ihr Kind beim Jugendamt Unterhaltsvorschuss bekommen. Allerdings werden Sie von Ihrer Unterhaltspflicht dadurch nicht entlastet. Das Jugendamt wird Sie in Regress nehmen und die als Unterhaltsvorschuss gezahlten Beträge von Ihnen zurückverlangen und notfalls gegen Sie zwangsweise vollstrecken. Im ungünstigsten Fall müssen Sie damit rechnen, dass Sie wegen Verletzung Ihrer Unterhaltspflichten auch strafrechtlich belangt werden.

Fazit

Geht es um Unterhalt, stehen immer zwei Aspekte zur Debatte. Einerseits sollten Sie sich Ihrer Verantwortung für Ihr Kind bewusst sein, andererseits müssen Sie Ihren eigenen Lebensunterhalt sicherstellen. Da Ihr minderjähriges Kind Anspruch auf eine gedeihliche Entwicklung hat, sollten die Interessen des Kindes selbstverständlich im Vordergrund stehen. Vielleicht betrachten Sie die Zahlung von Kindesunterhalt als eine Art Altersversorgung für sich selbst. Das, was Sie heute Ihrem Kind zugutekommen lassen, gibt Ihnen Ihr Kind im Idealfall zurück, wenn Sie selbst altersbedingt vielleicht einmal bedürftig sein sollten oder auf die Hilfe Ihres Kindes angewiesen sind. Insoweit ist die Zahlung von Kindesunterhalt eine gute Investition in die eigene Zukunft, oder nicht?

5.0 von 5 (41)

„Sie brauchen sich niemals Sorgen zu machen, wenn Sie bei Unterhalt.com sind“:

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