Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le

Bild: Düsseldorfer Tabelle

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369 EUR, dies ist der Mindestunterhaltsanspruch für ein Kleinkind nach der Düsseldorfer Tabelle. Er dient der Existenzsicherung. Die Düsseldorfer Tabelle gibt Auskunft, welchen Kindesunterhalt Kinder letztlich beanspruchen können. Ihr minderjähriges Kind hat auf jeden Fall Anspruch auf den Mindestunterhalt, unabhängig davon, wie viel Sie als unterhaltspflichtiger Elternteil verdienen. Unterhaltsstreitigkeiten erscheinen daher als überflüssig. Dennoch wird allzu oft darüber gestritten. Lesen Sie, nach welchen Kriterien Ihr Kind Kindesunterhalt fordern kann oder nach welchen Kriterien Sie Kindesunterhalt zahlen müssen.

Das Wich­tigs­te

  • Die Düsseldorfer Tabelle ist die Richtlinie, nach der Gerichte den Kindesunterhalt berechnen.
  • Die Tabelle wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Aktuell ist die Fassung vom 1. Januar 2020.
  • Die Tabelle legt Mindestbeträge fest, die sich am doppelten sächlichen Kinderfreibetrag des Einkommensteuergesetzes orientieren.
  • Der Unterhalt wird in Abhängigkeit von den Einkommensgruppen 1 - 10, der Altersgruppe des Kindes, dem Bedarfskontrollbetrag und Selbstbehalt unter Anrechnung der Hälfte des Kindergeldes errechnet.
  • Wenn Sie nicht alle Ihre Unterhaltspflicht erfüllen können, liegt ein Mangelfall vor. Dann wird Ihr verfügbares Einkommen nach einer Rangfolge der unterhaltsberechtigten Person verteilt.
  • Auch wenn Ihr Kind Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt bezieht, besteht Ihre Verantwortung für die Zahlung des Kindesunterhalts fort.

Was ist die Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le?

Gerichte hatten sich früher immer sehr schwergetan, den Kindesunterhalt zu beziffern. Dieses Dilemma soll die Düsseldorfer Tabelle beseitigen. Nach der Tabelle berechnen die Familiengerichte den Kindesunterhalt. Die Tabelle stammt aus dem Jahr 1962. Sie wurde ursprünglich vom Landgericht Düsseldorf entwickelt und wird seither vom Oberlandesgericht Düsseldorf veröffentlicht. Die Tabellenbeträge werden in regelmäßigen Abständen angepasst. Derzeit ist die Fassung vom 1. Januar 2020 aktuell. Die nächste Anpassung steht zum 1. Januar 2021 an. Auch wenn die Tabelle keine Gesetzeskraft hat, wird sie von den Gerichten dennoch als maßgebliche Richtlinie für die Berechnung des Kindesunterhalts angewandt.

Düsseldorfer Tabelle (Stand 1.Januar 2020)
Nettoeinkommen der/desBarunter­haltspflichtigen Altersstufen in Jahren Prozent­satz Bedarfs­kontroll­betrag
0 - 5 6 - 11 12 - 17 ab 18
1. bis 1.900 369 424 497 530 100 960/1.160
2. 1.901 - 2.300 388 446 522 557 105 1.400
3. 2.301 - 2.700 406 467 547 583 110 1.500
4. 2.701 - 3.100 425 488 572 610 115 1.600
5. 3.101 - 3.500 443 509 597 636 120 1.700
6. 3.501 - 3.900 473 543 637 679 128 1.800
7. 3.901 - 4.300 502 577 676 721 136 1.900
8. 4.301 - 4.700 532 611 716 764 144 2.000
9. 4.701 - 5.100 561 645 756 806 152 2.100
10. 5.101 - 5.500 591 679 796 848 160 2.200

Ne­ben­bei: Wie kom­men die Un­ter­halts­be­trä­ge zu­stan­de?

Der Gesetzgeber hat es übernommen, nach Einschätzung der Lebenshaltungskosten Mindestbeträge festzusetzen, die das Existenzminimum eines Kindes möglichst sichern sollen. Dass auch der sich daraus ergebende Mindestunterhalt im Lebensalltag meist nicht ausreichend ist, liegt auf der Hand. Nach § 1612a BGB ergibt sich der Mindestunterhalt minderjähriger Kinder gegenüber dem barunterhaltspflichtigen Elternteil als der doppelte „sächliche Kinderfreibetrag“ des Einkommensteuergesetzes. Der sächliche Kinderfreibetrag beträgt für 2020 monatlich 424 EUR. Dieser Betrag ist die Bezugsgröße für den Mindestunterhalt für Kinder der zweiten Altersstufe im Alter von 6 bis 11 Jahren. Daraus ergeben sich folgende Monatsbeträge für den Mindestunterhalt:

  • In Altersstufe 1 (0 – 5 Jahre): 369 EUR,
  • in Altersstufe 2 (6 – 11 Jahre): 424 EUR und
  • in Altersstufe 3 (12 – 17 Jahre): 497 EUR.

Wie ist die Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le zu le­sen?

Einkommensgruppen 1-10

Die Höhe des Unterhalts hängt von Ihrem sogenannten bereinigten Nettoeinkommen ab. Es ergibt sich, wenn Sie von Ihrem Bruttoeinkommen Ihre Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuer, berufsbedingte Aufwendungen und berücksichtigungsfähige Schulden abziehen. Je nachdem werden Sie in eine der Einkommensgruppen 1 - 10 eingeordnet. Ab einem Einkommen von 5.501 EUR netto wird der Unterhaltsanspruch in Abhängigkeit vom Einzelfall ermittelt.

Altersgruppe des Kindes

Die Düsseldorfer Tabelle enthält drei Altersgruppen für minderjährige Kinder sowie eine Altersgruppe für volljährige Kinder. In der Einkommensgruppe 1 ersehen Sie den Mindestunterhalt, der gemäß der „Verordnung zur Festlegung des Mindestunterhalts minderjähriger Kinder“ nach § 1612a BGB gesetzlich festgelegt wurde. Diesen Mindestunterhalt müssen bzw. sollten Sie auf jeden Fall zahlen, unabhängig von Ihren wirtschaftlichen Verhältnissen. Um Ihrer elterlichen Verantwortung gerecht zu werden, müssen Sie jede zumutbare Arbeit annehmen.

Prozentsatz

Die Rubrik Prozentsatz bringt die Steigerung des Unterhalts zum Ausdruck, der sich in den höheren Einkommensgruppen gegenüber der Einkommensgruppe 1 und damit dem Mindestbedarf ergibt. Die Angabe ist informatorisch.

Unterhaltsbeträge gelten für zwei unterhaltsberechtigte Personen

Die angegebenen Unterhaltsbeträge gehen davon aus, dass Sie zwei unterhaltsberechtigte Personen unterhalten müssen (Elternteil und Kind oder zwei Kinder). Müssen Sie für mehr oder weniger als zwei Berechtigte Unterhalt zahlen, sind Sie in eine höhere bzw. niedrigere Einkommensgruppe einzustufen.

Bedarfskontrollbetrag und Selbstbehalt

Auch wenn Sie Kindesunterhalt zahlen müssen, ist der Gesetzgeber darauf bedacht, dass Ihnen Ihr Existenzminimum verbleibt. Ihr notwendiger Eigenbedarf (Selbstbehalt) beträgt 1.160

Anrechnung des Kindergeldes

In der Düsseldorfer Tabelle ist das Kindergeld nicht berücksichtigt. Fließt das Kindergeld dem betreuenden Elternteil zu, ist die Hälfte auf den sich aus der Düsseldorfer Tabelle ergebenden Unterhaltsbetrag anzurechnen. Sie zahlen also im Ergebnis weniger, als in der Düsseldorfer Tabelle angegeben ist.

Ich kann nicht al­le mei­ne Un­ter­halts­ver­pflich­tun­gen er­fül­len (Man­gel­fall)

Reicht Ihr Einkommen nicht aus, um alle Unterhaltsverpflichtung erfüllen, geht das Unterhaltsrecht von einem Mangelfall aus. § 1609 BGB legt dafür eine Rangfolge fest. Vorrangig sind minderjährige und privilegierte Kinder (volljährige Kinder, die sich in der Berufsausbildung befinden und bei einem Elternteil wohnen) zu unterhalten. Im zweiten Rang folgt Ihr Ex-Ehegatte, der das Kind betreut. Volljährige, nicht privilegierte Kinder sind erst im vierten Rang zu bedienen. Können Sie mit Ihrem Einkommen nur den ersten Rang bedienen, muss sich derjenige, der im Rang nachfolgt, mit dem Rest zufriedengeben oder erhält überhaupt keinen Barunterhalt (einfacher Mangelfall). Reicht Ihr Einkommen nicht einmal aus, um die im ersten Rang stehen Unterhaltspflichten zu erfüllen, ist Ihr Einkommen nach Abzug Ihres Selbstbehalts auf die Kinder aufzuteilen (absoluter Mangelfall).

Das Kind soll Un­ter­halts­vor­schuss vom Ju­gend­amt for­dern. Ich will mei­ne Ru­he.

Verweigern Sie den Kindesunterhalt oder verfügen Sie über keinerlei Einkommen, kann Ihr Kind beim Jugendamt Unterhaltsvorschuss bekommen. Allerdings werden Sie von Ihrer Unterhaltspflicht dadurch nicht entlastet. Das Jugendamt wird Sie in Regress nehmen und die als Unterhaltsvorschuss gezahlten Beträge von Ihnen zurückverlangen und notfalls gegen Sie zwangsweise vollstrecken. Im ungünstigsten Fall müssen Sie damit rechnen, dass Sie wegen Verletzung Ihrer Unterhaltspflichten auch strafrechtlich belangt werden.

Fa­zit

Geht es um Unterhalt, stehen immer zwei Aspekte zur Debatte. Einerseits sollten Sie sich Ihrer Verantwortung für Ihr Kind bewusst sein, andererseits müssen Sie Ihren eigenen Lebensunterhalt sicherstellen. Da Ihr minderjähriges Kind Anspruch auf eine gedeihliche Entwicklung hat, sollten die Interessen des Kindes selbstverständlich im Vordergrund stehen. Vielleicht betrachten Sie die Zahlung von Kindesunterhalt als eine Art Altersversorgung für sich selbst. Das, was Sie heute Ihrem Kind zugutekommen lassen, gibt Ihnen Ihr Kind im Idealfall zurück, wenn Sie selbst altersbedingt vielleicht einmal bedürftig sein sollten oder auf die Hilfe Ihres Kindes angewiesen sind. Insoweit ist die Zahlung von Kindesunterhalt eine gute Investition in die eigene Zukunft, oder nicht?

Geschrieben von: iurFRIEND®-Redaktion

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