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Ratgeber

Wohnvorteil und Unterhalt

Der Wohnvorteil spielt bei der Bemessung des Unterhalts eine erhebliche Rolle. Er wird auch unter dem Stichwort „mietfreies Wohnen“ erörtert und nach dem „Wohnwert“ einer Wohnung bemessen. Der Wohnvorteil ist immer wieder Anlass dafür, dass sich Gerichte mit Streitfällen beschäftigen müssen. Viele der damit verbundenen Aspekte hat der Bundesgerichtshof abschließend beurteilt. Fordern Sie Unterhalt oder werden Sie zur Zahlung von Unterhalt aufgefordert, müssen Sie wissen, wie sich der Wohnvorteil des mietfreien Wohnens auf die Unterhaltsberechnung auswirkt.

Das Wichtigste zum Thema "Wohnvorteil und Unterhalt" für Sie:

  • Der Wohnvorteil ist der Vorteil, den ein Ehegatte erzielt, wenn er nach dem Auszug des Partners in der eigenen Immobilie verbleibt oder in eine eigene Immobilie einzieht und aus diesem Grund keine Miete für eine andere Wohnung zu zahlen braucht.
  • Der Wohnvorteil wird bei der Unterhaltsberechnung dem Nettoeinkommen des jeweiligen Partners als fiktives Einkommen hinzugerechnet. Soweit für die eigene Immobilie Darlehenszinsen anfallen, werden diese unter anderem auf den Wohnvorteil angerechnet.
  • Die Höhe des Wohnvorteils bemisst sich danach, ob die Ehegatten getrennt leben oder bereits geschieden sind.

Um was geht es beim Wohnvorteil?

Ausgangspunkt ist, dass die Ehegatten in einer in ihrem Eigentum stehenden Immobilie (Wohnhaus, Eigentumswohnung) wohnen und sich trennen. Meist zieht ein Partner aus der bislang gemeinsam genutzten Ehewohnung aus. Der verbleibende Ehegatte nutzt die Wohnung dann alleine und profitiert oft davon, dass er selbst keine Miete zahlt. Verlangt nun der unterhaltsberechtigte Ehegatte Unterhalt oder wird der unterhaltspflichtige Ehegatte auf Unterhalt in Anspruch genommen, bemisst sich die Bedürftigkeit des unterhaltsberechtigten Ehegatten oder die Leistungsfähigkeit des unterhaltspflichtigen Ehegatten nicht nur nach ihren Erwerbseinkünften.

Vielmehr sind auch sonstige wirtschaftliche Nutzungen einzubeziehen, die die jeweilige Partei aus ihrem Vermögen zieht. Dazu gehören auch die Gebrauchsvorteile einer im Eigentum stehenden Immobilie. Bewohnt die Partei die Immobilie selbst, braucht sie keine Miete für eine Mietwohnung zu bezahlen und hat durch ein solchermaßen mietfreies Wohnen einen Wohnvorteil. Der andere Partner, der aus der Wohnung ausgezogen ist, hat diesen Wohnvorteil gerade nicht, soweit er darauf angewiesen ist, sich eine Mietwohnung zu nehmen.

Der Wohnvorteil ist ein fiktives Einkommen

Wohnt eine Partei mietfrei in der eigenen Wohnung, wird der dadurch entstehende Wohnvorteil als fiktives Einkommen behandelt (BGH FamRZ 1988, 87). „Fiktiv“ bedeutet, dass dem Ehegatten ein Einkommen angerechnet wird, das er erzielen könnte, wenn er die Wohnung vermieten würde. Dieser Mietwert wird gedanklich als zusätzliches Einkommen erfasst. Der Wohnvorteil zählt unabhängig davon, ob ein Ehegatte alleiniger Eigentümer der Immobilie oder nur Miteigentümer ist.

Praxisbeispiel:

Frau Müller bezieht als Sekretärin monatlich 1000 € netto. Sie wohnt nach dem Auszug ihres Ehegatten allein in der Wohnung. Der Wohnwert der Wohnung beträgt 500 € und wird ihrem Nettoeinkommen hinzugerechnet. Damit verfügt Frau Mueller über ein Nettoeinkommen von 1500 €. Dieses Nettoeinkommen ist maßgebend, wenn sie von ihrem Ehegatten Ehegattenunterhalt verlangt. Der Wohnvorteil reduziert insoweit ihre Unterhaltsbedürftigkeit. Gleiches gilt, wenn der Ehegatte in der eigenen Wohnung wohnt. Dann wird der sich daraus liegende Wohnvorteil seinem Nettoeinkommen hinzugerechnet und erhöht damit seine Leistungsfähigkeit zur Zahlung von Unterhalt.

Wohnvorteil zählt indirekt auch beim Kindesunterhalt

Geht es um Kindesunterhalt, spielt der Wohnvorteil nur indirekt eine Rolle. Grund ist, dass die Unterhaltsbeträge der Düsseldorfer Tabelle bereits berücksichtigen, dass Kinder keine Miete zahlen brauchen und im Haushalt des betreuenden Elternteils leben. Allerdings soll dieser Umstand den Wohnvorteil erhöhen. Da im Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle ein Anteil von 20 % für Wohnkosten enthalten ist, fallen keine Wohnkosten an, wenn die Kinder im Haushalt des betreuenden Elternteils leben. Wenn dann keine Wohnkosten anfallen, erhöht dieser Umstand den Wohnvorteil für den in der Wohnung wohnenden betreuenden Elternteil (so OLG München, Urteil v. 23.10.1997, 12 UF 1218/97). Beträgt der objektive Mietwert der Immobilie dann 500 €, wäre er um 20 % auf 600 € zu erhöhen. Der dadurch bedingte Wohnvorteil sei bereits im Trennungsjahr zu berücksichtigen.

Wohnvorteil bei eheähnlicher Gemeinschaft

Der Unterhalt fordernde Ehegatte muss sich mietfreies wohnen in der Wohnung des neuen Lebensgefährten als Wohnvorteil dann als fiktives Einkommen anrechnen lassen, wenn er mit dem neuen Partner in eheähnlicher Gemeinschaft zusammenlebt und mit ihm einen gemeinsamen Haushalt führt (BGH FamRZ 1995, 343).

Wie wird der Wohnvorteil bemessen?

Die Höhe des Wohnwerts bemisst sich danach, ob die Ehegatten noch in der Zeit der Trennung leben oder bereits geschieden sind. Ausgangspunkt ist, dass sich ein Ehegatte die ersparte Miete als fiktives Einkommen anrechnen lassen muss. Es geht also darum, die ersparte Miete zu beziffern.

Wohnvorteil in der Trennungszeit:

Ansatzpunkt ist die objektive Miete, also die Miete, die der die Immobilie bewohnende Ehegatte bekommen könnte, wenn er die Immobilie vermieten würde. Für die Zeit der Trennung wird es aber für gerechtfertigt gehalten, die objektiv erzielbare Miete herabzusetzen. Grund ist, dass der in der Immobilie verbleibende Ehegatte meist mehr Wohnfläche zur Verfügung hat, als er eigentlich für sich benötigt. Würde er nämlich von vornherein allein leben, hätte er eine Wohnung mit geringerer Wohnfläche angemietet und bräuchte dafür nur eine entsprechend geringere Miete zu zahlen. Solange die Ehegatten noch nicht geschieden sind, ist ein Ehegatte auch nicht verpflichtet, aus der bislang gemeinsam genutzten Ehewohnung auszuziehen. In diesem Fall braucht sich der Ehegatte also als fiktives Einkommen nur den Betrag als Wohnvorteil anrechnen zu lassen, den er für eine eigene Wohnung ausgeben würde.

Praxisbeispiel:

Der Mietwert des Familienwohnhauses der Eheleute Mueller beträgt 1500 €. Würde Frau Mueller alleine wohnen, würde sie allenfalls eine Wohnung mit 700 € anmieten. Deshalb sind ihr als Wohnvorteil auch nur 700 € anzurechnen. Haben die Ehegatten die Immobilie finanziert und zahlt der verbleibende Ehegatte Kreditraten, kann er die Kreditraten in voller Höhe für Zins und Tilgung abziehen, selbst wenn sich dadurch ein negativer Wohnvorteil ergibt (BGH FamRZ 2007, 880). Bei einer Eigentumswohnung sind die verbrauchsunabhängigen Kosten (Verwaltergebühr, Sonderumlage), nicht aber die verbrauchsabhängigen Kosten abzuziehen.

Wohnvorteil nach der Scheidung:

Nach der Scheidung wird der Wohnvorteil so hoch angesetzt, wie es der objektiven Miete entspricht. Der Wohnvorteil entspricht also der Miete, die der Ehegatte für die Immobilie erzielen könnte, wenn er die Immobilie nicht selbst bewohnen, sondern vermieten würde. Ab dem Zeitpunkt der Stellung des Scheidungsantrags kann er aber nur noch die Zinsen abziehen, nicht aber den Tilgungsanteil, da dieser seiner Vermögensbildung dient (BGH FamRZ 2007, 880). Allenfalls dann, wenn die Immobilie als Altersvorsorge betrachtet wird, dürfen die Tilgungsraten bis zu 4 % des Bruttoeinkommens berücksichtigt werden.

Wohnvorteil beim anstehenden Verkauf der Immobilie

Leben die Ehegatten in Scheidung, muss die bislang gemeinsam genutzte Immobilie oft verkauft werden. Bewohnt der unterhaltspflichtige Ehegatte die eigene Immobilie und möchte diese verkaufen, soll nicht der objektive Mietwert, sondern nur ein geringerer Wohnwert anzusetzen sein. Wäre der Ehegatte in diesem Fall gezwungen, das Haus zu vermieten, nur um Mieteinnahmen in Höhe der objektiven Miete zu erzielen, würde ein Verkauf erheblich erschwert. Einfamilienhäuser werden regelmäßig zur Eigennutzung erworben. Ist ein solches Haus vermietet, müsste ein Erwerber damit rechnen, dass der verbleibende Mieter den Auszug verweigert und verzögert. Insoweit erscheint eine Vermietung als nicht zumutbar, so das der objektive Mietwert nicht zur Anrechnung kommen kann (BGH Beschluss v. 19.3.2014, XII ZB 367/12).

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