Ratgeber

Unterhalt ab 18 - Volljährigenunterhalt

Wird ein minderjähriges unverheiratetes Kind volljährig, hat es regelmäßig gegen beide Elternteile einen Anspruch auf Barunterhalt, sofern es sich noch in der Schulausbildung, Berufsausbildung oder im Studium befindet. Dies folgt aus §§ 1601, 1610 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), wonach Eltern ihren Kindern auch eine angemessene Ausbildung schulden. In allen anderen Fällen müssen die volljährigen Kinder ihren Unterhalt jedoch grundsätzlich selber finanzieren, wobei es eng umgrenzte Ausnahmefälle gibt. Was Sie zum Unterhalt volljähriger Kinder wissen sollten und womit Sie im wahrsten Sinne des Wortes „rechnen“ müssen, lesen Sie hier.

Das Wichtigste zum Thema "Unterhalt ab 18 - Volljährigenunterhalt" für Sie:

  • Grundsätzlich haben volljährige Kinder Anspruch auf Barunterhalt gegen beide Elternteile, wobei eigene Einkünfte wie etwa das Kindergeld bedarfsmindernd anzurechnen sind.
  • Der Volljährigenunterhalt richtet sich in erster Linie danach, ob der Volljährige privilegiert ist oder nicht. Privilegiert (und damit den minderjährigen unverheirateten Kindern unterhaltsrechtlich gleichgestellt) sind unverheiratete volljährige Kinder bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, die im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben und sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden.
  • Lebt das privilegierte oder nicht privilegierte volljährige Kind noch im Haushalt eines Elternteils, richtet sich die Höhe seines Unterhalts nach der Düsseldorfer Tabelle. Hat das Kind einen eigenen Hausstand, beträgt der Unterhaltsanspruch monatlich 735 EUR (Anmerkung 7 zur Düsseldorfer Tabelle, Stand: 01.01.2017). Das Kindergeld ist weder in der Düsseldorfer Tabelle noch in den monatlichen 735 EUR berücksichtigt.
  • Ist das volljährige Kind privilegiert, beträgt der monatliche notwenige Eigenbedarf des erwerbstätigen Barunterhaltspflichtigen 1.080 EUR und des nicht erwerbstätigen Pflichtigen 880 EUR. Ist das Kind nicht privilegiert, beläuft sich der monatliche angemessene Eigenbedarf des Pflichtigen auf 1.300 EUR (Anmerkung 5 zur Düsseldorfer Tabelle, Stand: 01.01.2017).
  • Die Ansprüche auf Volljährigenunterhalt der privilegierten volljährigen Kinder befinden sich gemäß dem Rangstufenprinzip auf dem 1. Rang und sind daher zuerst abzudecken. Die Ansprüche der anderen volljährigen Kinder sind auf dem 4. Rang, so dass diese Kinder mangels Leistungsfähigkeit des Pflichtigen leer ausgehen können.

Privilegiertes oder nicht privilegiertes volljähriges Kind

Ob ein volljähriges, Unterhalt beanspruchendes Kind privilegiert oder nicht privilegiert ist, hat für seine Unterhaltsberechnung erhebliche Auswirkungen Denn davon hängen sowohl die Höhe seines Unterhalts als auch der Selbstbehalt der Eltern sowie die Rangfolge des volljährigen Kindes ab.

Wann ist ein volljähriges Kind privilegiert?

Privilegierte volljährige Kinder sind den minderjährigen unverheirateten Kindern gleichgestellt und genießen daher die gleichen Privilegien wie minderjährige Kinder. Nach § 1603 Abs. 2 Satz 2 BGB sind volljährige Kinder privilegiert, wenn sie

  • unverheiratet sind,
  • noch keine 21 Jahre alt sind,
  • ständig im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben und
  • sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden.

Expertentipp:

Auch für privilegierte volljährige Kinder muss der Barunterhaltspflichtige den Mindestunterhalt sicherstellen, also notfalls einen zusätzlichen Mini-Job aufnehmen oder sich auf eine besser vergütete Arbeitsstelle verändern.

Auswirkungen auf den Unterhalt ab 18

Der Volljährigenunterhalt und dessen Höhe richten sich nach der sogenannten Düsseldorfer Tabelle

Der Volljährigenunterhalt und dessen Höhe richten sich nach der sogenannten Düsseldorfer Tabelle

Der Volljährigenunterhalt und dessen Höhe richten sich nach der sogenannten Düsseldorfer Tabelle, in der neben den elf Einkommensgruppen für den Unterhaltspflichtigen drei Altersgruppen für minderjährige sowie eine Altersgruppe für volljährige Kinder enthalten sind. Die Höhe des jeweiligen Kindesunterhalts lässt sich nach der Einordnung in die passende Gruppe aus der Tabelle ersehen. Dabei gilt die Tabelle für zwei Unterhaltsberechtigte, so dass bei mehr oder weniger Unterhaltsberechtigten eine Einstufung in die nächstniedrigere oder nächsthöhere Einkommensgruppe des Pflichtigen zu erfolgen hat.

Ist das volljährige Kind privilegiert und lebt im Haushalt eines Elternteils oder ist es nicht privilegiert und lebt im Haushalt eines Elternteils, richtet sich sein monatlicher Unterhalt nach der Altersgruppe für volljährige Kinder. Hat das volljährige Kind dagegen einen eigenen Hausstand, beläuft sich sein monatlicher Unterhaltsanspruch auf 735 EUR (Anmerkung 7 zur Düsseldorfer Tabelle, Stand: 01.01.2017).

Vom Unterhaltsanspruch abzuziehen ist jedoch das Kindergeld, welches komplett an das volljährige Kind gezahlt wird und in der Düsseldorfer Tabelle nicht berücksichtigt ist. Das Kindergeld mindert den Bedarf des Volljährigen und verringert daher seinen Unterhaltsanspruch.

Bei nicht privilegierten Kindern haben die Eltern einen höheren Selbstbehalt

Auch wenn die Eltern für das volljährige Kind unterhaltspflichtig sind, muss ihnen ein unantastbares Existenzminimum zur Finanzierung ihres eigenen Lebensbedarfes verbleiben. Das geschieht durch den Eigenbedarf (Selbstbehalt). Der notwendige Eigenbedarf beträgt gegenüber privilegierten volljährigen Kindern 1.080 EUR monatlich, wenn der Elternteil erwerbstätig ist, und 880 EUR monatlich, wenn der Elternteil nicht erwerbstätig ist. Gegenüber den nicht privilegierten Kindern beläuft sich der angemessene Eigenbedarf auf 1.300 EUR monatlich (Anmerkung 5 zur Düsseldorfer Tabelle, Stand: 01.01.2017).

Rangstufenprinzip bei Unterhalt Unterhalt ab 18

Im Unterhaltsrecht gilt das sogenannte Rangstufenprinzip, wonach die Unterhaltsansprüche der vorrangigen Personengruppe zuerst abzudecken sind, bevor an die jeweils nachrangige Gruppe gezahlt wird. In der Praxis führt dies häufig dazu, dass nachrangigen Berechtigen nichts oder nur einen Teil des Unterhalts erhalten.

Minderjährige und privilegierte volljährige Kinder stehen hierbei auf dem 1. Rang, während die nicht privilegierten volljährigen Kinder nur den 4. Rang bekleiden. Damit gegen die Unterhaltsansprüche der getrennt lebenden und geschiedenen Ehegatten den Ansprüchen dieser volljährigen Kinder vor.

Übersicht Volljährigenunterhalt: Privilegiertes oder nicht privilegiertes volljähriges Kind

Wie sich der Umstand auswirkt, ob ein volljähriges, Unterhalt beanspruchendes Kind privilegiert oder nicht privilegiert ist, können Sie nochmals der folgenden Übersicht entnehmen (Stand: 01.01.2017):

Volljähriges Kind istVolljähriges Kind lebtMonatlicher KindesunterhaltMonatlicher Eigenbedarf pro Elternteil
privilegiert im Haushalt eines Elternteils richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle 1.080 EUR, falls erwerbstätig / 880 EUR, falls nicht erwerbstätig
nicht privilegiert im Haushalt eines Elternteils richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle 1.300 EUR
nicht privilegiert mit eigenem Hausstand beträgt 735 EUR 1.300 EUR

Unterhalt volljähriges Kind: So wird der Unterhalt ab 18 berechnet

Anders als bei der Berechnung des Unterhalts für minderjährige Kinder wird für die Ermittlung der Unterhaltshöhe bei volljährigen Kindern das bereinigte Nettoeinkommen von beiden Elternteilen zusammengerechnet. Dabei ist der jeweilige Unterhalt aber nur anteilig bzw. quotenmäßig im Verhältnis der einzelnen Einkommens- und Vermögensverhältnisse von jedem Elternteil zu zahlen.

Eigene Einkünfte des Kindes wirken sich bedarfsmindernd aus, so dass sich die Unterhaltszahlungen der Eltern verringern

Eigene Einkünfte des Kindes wirken sich bedarfsmindernd aus, so dass sich die Unterhaltszahlungen der Eltern verringern

Für die Berechnung der Unterhaltszahlungen wird jeweils vom bereinigten Nettoeinkommen der Eigenbedarf abgezogen. Anschließen wird das Einkommen der Elternteile zueinander ins Verhältnis gesetzt und der zu zahlende Anteil ermittelt.

Eigene Einkünfte des Kindes, zu denen auch das Kindergeld gehört, wirken sich bedarfsmindernd aus, so dass sich die Unterhaltszahlungen der Eltern verringern.

Volljähriges privilegiertes Kind lebt bei einem Elternteil

Zu berücksichtigen sind bei der Berechnung des Unterhaltsbetrags die Düsseldorfer Tabelle sowie der notwendige Eigenbedarf der Elternteile bei Erwerbstätigkeit bzw. keiner Erwerbstätigkeit von 1.080 bzw. 880 EUR monatlich (Stand: 01.01.2017). Hier können Sie die Düsseldorfer Tabelle einsehen.

Praxisbeispiel:

Volljährigenunterhalt für ein privilegiertes volljähriges Kind, lebend bei einem Elternteil

Das 18-jährige unverheiratete Kind K lebt bei seiner Mutter M, die ein monatliches bereinigtes Nettoeinkommen von 1.400 EUR und keine Unterhaltsansprüche hat. K ist 18 Jahre alt und besucht die 12. Klasse einer Gesamtschule. Er erhält das volle Kindergeld. Der Vater V verfügt über ein monatliches bereinigtes Nettoeinkommen von 2.800 EUR.

Folge

Das zusammengerechnete monatliche bereinigte Einkommen beider Elternteile beläuft sich auf 4.200 EUR (1.400 EUR + 2.800 EUR). Da die Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.01.2016) für zwei Unterhaltsberechtigte gilt, hier aber nur einer vorhanden ist, ist K nicht in Gruppe 8, sondern Gruppe 9 herauf zu stufen. Der Unterhaltsanspruch von K beträgt daher 802 EUR pro Monat.

Von den 802 EUR ist das bedarfsmindernde Kindergeld in voller Höhe abzuziehen, so sich der Unterhaltsanspruch von K auf 610 EUR monatlich verringert (802 EUR – 192 EUR), siehe auch „Anhang Zahlbeträge“ zur Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.01.2017).

Vom bereinigten Nettoeinkommen der Eltern ist jeweils der notwendige Eigenbedarf für Erwerbstätige in Höhe von 1.080 EUR abzuziehen, so dass F zusätzlich 320 EUR monatlich (1.400 EUR – 1.080 EUR) und M zusätzlich 1.720 EUR monatlich (2.800 EUR – 1.080 EUR) monatlich verbleiben. Damit ist der Unterhalt für K aus einem monatlichen Gesamteinkommen der Eltern in Höhe von 2.040 EUR (320 EUR + 1.720 EUR) wie folgt zu bilden:

M: 610 EUR Unterhaltsanspruch x 320 EUR Einkommen / 2.040 EUR Gesamteinkommen = 95,69 EUR

V: 610 EUR Unterhaltsanspruch von K x 1.720 EUR Einkommen / 2.040 EUR Gesamteinkommen = 514,31 EUR

Aufgerundet auf volle Beträge muss M 96 EUR und V 515 EUR monatlichen Unterhalt an K zahlen.

Volljähriges nicht privilegiertes Kind lebt bei einem Elternteil

Hier ist bei der Berechnung des Unterhaltsbetrags auf die die Düsseldorfer Tabelle sowie den angemessenen Eigenbedarf der Elternteile von jeweils 1.300 EUR monatlich abzustellen. (Stand: 01.01.2017).

Praxisbeispiel:

Volljährigenunterhalt für ein nicht privilegiertes volljähriges Kind, lebend bei einem Elternteil

Wie Praxisbeispiel 1. K hat aber (alternativ)

  • inzwischen das 21. Lebensjahr vollendet
  • hat zwar das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet, ist aber nicht mehr in der allgemeinen Schulausbildung, sondern geht zur Berufsschule oder studiert

Folge

Das zusammengerechnete monatliche bereinigte Einkommen beider Elternteile beläuft sich auf 4.200 EUR (1.400 EUR + 2.800 EUR). Da die Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.01.2017) für zwei Unterhaltsberechtigte gilt, hier aber nur einer vorhanden ist, ist K nicht in Gruppe 8, sondern Gruppe 9 herauf zu stufen. Der Unterhaltsanspruch von K beträgt daher 802 EUR pro Monat.

Von den 802 EUR ist das bedarfsmindernde Kindergeld in voller Höhe abzuziehen, so sich der Unterhaltsanspruch von K auf 610 EUR monatlich verringert (802 EUR – 192 EUR Kindergeld), siehe auch „Anhang Zahlbeträge“ zur Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.01.2017).

Vom bereinigten Nettoeinkommen der Eltern ist jeweils der angemessene Eigenbedarf in Höhe von 1.300 EUR abzuziehen, so dass F zusätzlich 100 EUR monatlich (1.400 EUR – 1.300 EUR) und M zusätzlich 1.500 EUR monatlich (2.800 EUR – 1.300 EUR) monatlich verbleiben. Damit ist der Unterhalt für K aus einem monatlichen Gesamteinkommen der Eltern in Höhe von 1.600 EUR (100 EUR + 1.500 EUR) wie folgt zu bilden:

M: 610 EUR Unterhaltsanspruch x 100 EUR Einkommen / 1.600 EUR Gesamteinkommen = 38,13 EUR

V: 610 EUR Unterhaltsanspruch von K x 1.500 EUR Einkommen / 1.600 EUR Gesamteinkommen = 571,90 EUR

Aufgerundet auf volle Beträge müssen M 39 EUR und V 572 EUR monatlichen Unterhalt an K zahlen. Wie dieses Praxis-Beispiel zeigt, geht damit der im Vergleich zum privilegierten Volljährigen erhöhte Eigenbedarf grundsätzlich zu Lasten des besserverdienenden Elternteils.

Bei studierenden volljährigen Kindern erhöht sich der Unterhalt ggf. um die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung (sofern das Kind nicht bis zum 25. Lebensjahr gesetzlich familienversichert ist) und um die Studiengebühren.

Volljähriges nicht privilegiertes Kind hat eigenen Hausstand

Der Unterhaltsbetrag für das nicht privilegierte Kind mit eigenem Hausstand beträgt 735 EUR monatlich, der angemessene Eigenbedarf der Elternteile jeweils 1.300 EUR monatlich (Stand: 01.01.2017).

Praxisbeispiel:

Volljährigenunterhalt für ein nicht privilegiertes volljähriges Kind mit eigenem Hausstand

Wie Praxisbeispiel 1. K hat aber eine eigene Wohnung

Folge

Das zusammengerechnete monatliche bereinigte Einkommen beider Elternteile beläuft sich auf 4.200 EUR (1.400 EUR + 2.800 EUR). Die Unterhaltsbeträge in der Düsseldorfer Tabelle spielen hier keine Rolle, der Unterhaltsanspruch von K beträgt 735 EUR monatlich (Anmerkung 7 zur Düsseldorfer Tabelle, Stand: 01.01.2017).

Von den 735 EUR ist das bedarfsmindernde Kindergeld in voller Höhe abzuziehen, so sich der Unterhaltsanspruch von K auf 543 EUR monatlich verringert (735 EUR – 192 EUR Kindergeld), der „Anhang Zahlbeträge“ zur Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.01.2017) ist hier nicht anwendbar.

Vom bereinigten Nettoeinkommen der Eltern ist jeweils der angemessene Eigenbedarf in Höhe von 1.300 EUR abzuziehen, so dass F zusätzlich 100 EUR monatlich (1.400 EUR – 1.300 EUR) und M zusätzlich 1.500 EUR monatlich (2.800 EUR – 1.300 EUR) monatlich verbleiben. Damit ist der Unterhalt für K aus einem monatlichen Gesamteinkommen der Eltern in Höhe von 1.600 EUR (100 EUR + 1.500 EUR) wie folgt zu bilden:

M: 543 EUR Unterhaltsanspruch x 100 EUR Einkommen / 1.600 EUR Gesamteinkommen = 33,94 EUR

V: 543 EUR Unterhaltsanspruch von K x 1.500 EUR Einkommen / 1.600 EUR Gesamteinkommen = 509,06 EUR

Aufgerundet auf volle Beträge müssen M 34 EUR und V 510 EUR monatlichen Unterhalt an K zahlen. Auch hier geht der im Vergleich zum privilegierten Volljährigen erhöhte Eigenbedarf grundsätzlich zu Lasten des besserverdienenden Elternteils.

Bei studierenden volljährigen Kindern erhöht sich der Unterhalt ggf. um die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung (sofern das Kind nicht bis zum 25. Lebensjahr gesetzlich familienversichert ist) und um die Studiengebühren.

Exkurs: Volljähriges Kind lebt bei einem Elternteil

Gerade die Praxis-Beispiele 1 und 2 dürften für das Elternteil, bei dem das volljährige Kind lebt (also in den Beispielen die Mutter M) äußerst unbefriedigend sein. Denn trotz der „Rund-um-Versorgung“ durch das betreffende Elternteil soll das volljährige Kind auch noch Barunterhalt verlangen können?

Zu Ihrer Beruhigung als Elternteil sei 1612 Abs. 2 BGB herangezogen: Bei einem unverheirateten Kind haben die Eltern grundsätzlich das Recht, die Art und Weise der Unterhaltsgewährung zu bestimmen, wobei auf die Belange des Kindes Rücksicht zu nehmen ist.

Gerade die Praxis-Beispiele 1 und 2 dürften für das Elternteil, bei dem das volljährige Kind lebt, äußerst unbefriedigend sein

Gerade die Praxis-Beispiele 1 und 2 dürften für das Elternteil, bei dem das volljährige Kind lebt, äußerst unbefriedigend sein

Das heißt im Klartext: Solange das betreuende Elternteil dem nun volljährig gewordenen Kind Unterhalt in Natur in Form von Unterkunft, Kost, Bekleidung usw. bietet, kann das Kind trotz Volljährigkeit nicht plötzlich Barunterhalt verlangen. Lediglich dann, wenn das Kind aus triftigen Gründen den Barunterhalt benötigt, ist dieser zu zahlen. Typische Fälle sind etwa der Erhalt des gewünschten Studienplatzes an einem auswärtigen Ort oder die fehlende Zumutbarkeit des Verbleibs beim Elternteil, beispielsweise wegen wiederholten und erheblichen schweren Auseinandersetzungen, die zu einer tiefen Zerrüttung zwischen der Elternteil-Kind Beziehung führen. Hingegen liefern die üblichen Alltagskonflikte, einschließlich emotionaler Gefühlsausbrüche zwischen betreuendem Elternteil und volljährigem Kind, keinen Grund dafür, dass der Abkömmling sofort Barunterhalt haben möchte.

Bei den Praxis-Beispielen 1 und 2 darf M daher auch Naturalunterhalt leisten.

Volljährigenunterhalt bei mehreren volljährigen Kindern

Sind mehrere volljährige Kinder vorhanden, kommt es für den Volljährigenunterhalt ebenfalls darauf an, ob Kinder privilegiert sind und wo sie leben. Wohnt etwa ein 18-jähriger Schüler noch bei der Mutter und lebt sein 23-jähriger Bruder auswärts an seinem Studienort, muss der Vater den Barunterhalt zuerst an den Schüler leisten, da er sich auf dem obersten Rang befindet. Ob der Vater dann noch Unterhalt für den Studenten auf dem 4. Rang zahlen kann, richtet sich nach den Einkommensverhältnissen des Vaters.

Dauer des Unterhaltsanspruchs bei Unterhalt ab 18

Zu zahlen ist der Volljährigenunterhalt grundsätzlich bis zum Abschluss einer angemessenen, den Fähigkeiten des Kindes entsprechenden Berufsausbildung, § 1610 Abs. 2 BGB.

Arbeitslose und schwangere volljährige Kinder können trotz abgeschlossener Ausbildung ausnahmsweise einen Unterhaltsanspruch haben.

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