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Ratgeber

Wie wird der Trennungsunterhalt berechnet?

Unterhalt gibt es nicht erst, wenn Sie geschieden sind. Sobald Sie von Ihrem Ehepartner getrennt leben, haben Sie Anspruch auf Trennungsunterhalt. Um Ihren Trennungsunterhalt einzuschätzen und zu beziffern und Ausflüchten und Tricksereien Ihres Ehegatten entgegenzutreten, sollten Sie ungefähr wissen, nach welchen Grundsätzen Trennungsunterhalt berechnet wird.

Das Wichtigste zum Thema „Wie wird der Trennungsunterhalt berechnet?“ für Sie:

  • Ab dem Zeitpunkt Ihrer Trennung steht Ihnen Trennungsunterhalt zu. Er bestimmt sich nach dem Standard, der bislang Ihre Ehe geprägt hat.
  • Der Trennungsunterhalt berechnet sich aus Ihrem bereinigten Nettoeinkommen. Dazu sind von Ihrer beider Bruttoeinkommen zwangsläufig anfallende und eheprägende Verbindlichkeiten abzuziehen.
  • Wohnen Sie in der eigenen Immobilie, müssen Sie sich einen gewissen Wohnwert als zusätzliches Einkommen anrechnen lassen.
  • Stichtag für die Berechnung des Trennungsunterhalts ist der Tag Ihrer Trennung. Einkommenssteigerungen werden nur berücksichtigt, wenn sie bereits in der Zeit der Ehe begründet waren, nicht aber, wenn sie auf außergewöhnlichen Umständen beruhen.
  • Da Einkommen nur bis zu einem gewissen Teil für den Familienunterhalt verwendet werden, kommen besonders hohe Einkommen nur bis zu gewissen Grenzen für die Berechnung des Trennungsunterhalts in Betracht.

Das müssen Sie vorab zum Trennungsunterhalt wissen

Leben Sie getrennt voneinander, können Sie einen Ihren Lebensverhältnissen während der Ehe und den Erwerbs- und Vermögensverhältnissen angemessenen Unterhalt als Trennungsunterhalt verlangen (§ 1361 BGB). Zweck ist, dass Sie in Anbetracht Ihrer Trennung finanziell so gestellt werden, wie Sie es während des ehelichen Zusammenlebens waren. Infolge Ihrer Trennung geht es nicht mehr um den Familienunterhalt während der Ehe, sondern um Ihren Lebensbedarf. Waren Sie bislang nicht erwerbstätig, können Sie nur zu einer Erwerbstätigkeit verpflichtet werden, wenn diese nach Ihren persönlichen Verhältnissen, insbesondere wegen einer früheren Erwerbstätigkeit unter Berücksichtigung der Dauer Ihrer Ehe und nach den wirtschaftlichen Verhältnissen beider Ehegatten erwartet werden kann. Sie sind also nicht verpflichtet, über Nacht eine Berufstätigkeit aufnehmen zu müssen.

Expertentipp:

Sie können auf den Trennungsunterhalt nicht verzichten und brauchen sich deshalb auch durch eventuelle Drohungen nicht zu einem Verzicht bewegen zu lassen (§ 1614 BGB).

Wie wird der Trennungsunterhalt berechnet?

Wie hoch ist Ihr beider Bruttoeinkommen?

Ihr Anspruch auf Trennungsunterhalt hängt davon ab, welches Bruttoeinkommen Sie und Ihr Ehepartner verdienen. Sind Sie oder Ihr Ehegatte angestellt, zählt Ihr durchschnittliches Bruttoeinkommen der letzten zwölf Monate. Sind Sie selbstständig oder freiberuflich tätig, zählt Ihr Einkommen der letzten drei Jahre. Dadurch werden auch Einkommensschwankungen, wie sie durch Schichtarbeit oder Überstundenzuschläge entstehen, einbezogen.

Erfasst werden aber auch:

  • Sachleistungen der Arbeitgeber (Firmen- und Dienstwagen, Kantinenessenbons)
  • Sonderzahlungen (Weihnachts- und Urlaubsgeld)
  • Steuererstattungen vom Finanzamt
  • Abfindungen wegen der Auflösung des Arbeitsverhältnisses
  • Krankengeld
  • Schlechtwettergeld
  • Kurzarbeitergeld
  • BAföG
  • Fiktives Einkommen, wenn der Unterhaltspflichtige sich seiner Arbeitspflicht entzieht
  • Kapitalerträge
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung
  • Renten
  • Arbeitslosengeld
  • Wohnwert der eigenen Immobilie

Wie hoch ist Ihr bereinigtes Nettoeinkommen?

Ihr beider Bruttoeinkommen wird um regelmäßig anfallende Zahlungspflichten vermindert. Daraus ergibt sich Ihrbereinigtes Nettoeinkommen. Nur das bereinigte Nettoeinkommen bestimmt die Unterhaltsberechnung. Als Zahlungspflichten sind zu berücksichtigen:

  • Einkommenssteuern
  • Sozialversicherungsbeiträge
  • Fahrtkosten zum Arbeitsplatz
  • Berufsbedingte Aufwendungen (pauschal 5 % des Nettoeinkommens, maximal 150 €; höhere Aufwendungen nur bei Einzelnachweis)
  • Fortbildungskosten
  • Angemessene Altersvorsorgeleistungen für die private Altersvorsorge (5 % des Bruttolohns)
  • Darlehensverbindlichkeiten, soweit sie den ehelichen Lebensstandard geprägt haben und vom Ex-Gatten übernommen wurden
  • Abschreibungen bei Selbstständigen und Freiberuflern
  • Unterhaltszahlungen für das gemeinsame Kind

Weiterhin dürfen Sie „eheprägende Verbindlichkeiten“ abziehen. „Eheprägende Verbindlichkeiten“ sind solche Verbindlichkeiten, die über einen längeren Zeitraum von den Eheleuten getragen wurden und somit die Finanzsituation der Eheleute „geprägt“ haben. Typisches Beispiel ist, dass Sie für die gemeinsame Immobilie ein Immobiliendarlehen aufgenommen haben.

Praxisbeispiel:

Mann verfügt nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen über ein Nettoeinkommen von 3.000 €. Er trägt alleine den monatlichen Kreditzins von 700 € für das gemeinsame Eigenheim. Frau verdient 1.200 €. Das bereinigte Nettoeinkommen des Mannes beträgt 3.000 € - 150 € (5 % Pauschale für berufliche Aufwendungen) – 700 € (Darlehensraten als eheprägende Verbindlichkeiten) = 2.150 €. Das maßgebliche bereinigte Nettoeinkommen der Frau beträgt 1.200 € - 60 € (berufliche Aufwendungen) = 1.140 €.

Wie wird das Gesamteinkommen aufgeteilt?

Steht das gemeinsame maßgebliche Einkommen beider Ehegatten fest, wenden viele Gerichte die 3/7-Regel an. Danach muss der besserverdienende Ehegatte 3/7 des Differenzbetrages des gemeinsamen Einkommens an den anderen als Unterhalt zahlen. Teils wird aber auch auf den Halbteilungsgrundsatz abgestellt, nachdem beider Einkommen addiert und auf beide zur Hälfte aufgeteilt wird. Ist ein Ehepartner berufstätig, wird sein Einkommen auf den Unterhaltsbetrag angerechnet.

Vorher kann jeder Ehegatte, soweit er berufstätig ist, von seinem bereinigten Nettoeinkommen zusätzlich noch 1/7 als Erwerbstätigenbonus abziehen. Teils wird als Erwerbstätigenbonus auch 1/10 zugrunde gelegt. Insoweit kommt es darauf an, in welchem Oberlandesgerichtsbezirk Sie Ihren Unterhaltsprozess führen.

Praxisbeispiel (Ehepartner ist nicht berufstätig):

Mann hat ein bereinigtes Nettoeinkommen von 3.500 €. Seine Frau kümmerte sich während der Ehe um die gemeinsamen Kinder und war nicht berufstätig. Von seinem Nettogehalt darf er zunächst 1/7 als Erwerbstätigenbonus abziehen (= 500 €). Von den verbleibenden 3.000 € stehen der nicht erwerbstätigen Frau 3/7 = 1.285,71 € als Trennungsunterhalt zu. Wendet man den Halbteilungsgrundsatz an, hätte Frau Anspruch auf 1.500 €.

Praxisbeispiel (Ehepartner ist berufstätig):

Arbeiten beide Ehepartner, können beide von ihrem bereinigten Nettoeinkommen jeweils 1/7 Erwerbstätigenbonus abziehen. Angenommen, Mann verdient 3.500 € netto und Frau 700 € netto. Nach Abzug von jeweils 1/7 Erwerbstätigenbonus kommen bei Mann 3.000 € und bei Frau 600 € zur Anrechnung. Wendet man hierauf die 3/7-Regelung an, könnte Frau 1.285 € Trennungsunterhalt beanspruchen.

Wendet man den Halbteilungsgrundsatz an, werden beide Einkommen addiert. Aus dem Gesamteinkommen von 3.600 € stünden ihr 1.800 € zu. Da Frau selbst 600 € verdient, reduziert sich ihr Anspruch auf 1.200 €. €. Wohnt Frau dann noch in der eigenen Eigentumshälfte des gemeinsamen Hauses, muss sie sich in etwa die Hälfte der ortsüblichen Kaltmiete (Wohnwert) unterhaltsmindernd anrechnen lassen.

Wie ist das mit dem Selbstbehalt?

Damit der unterhaltspflichtige Ehegatte durch die Unterhaltszahlungen nicht vollkommen mittellos wird, gewähren ihm die Gerichte einen „Selbstbehalt“. Dieser muss dem unterhaltspflichtigen Ehegatten auf jeden Fall für seinen eigenen Lebensunterhalt verbleiben. Reicht das verfügbare Einkommen aufgrund des Selbstbehaltes nicht für den vollen Trennungsunterhalt aus, muss der Trennungsunterhalt entsprechend gekürzt werden. Die Höhe des Selbstbehalts beträgt 1.200 € (Stand 2018).

Inwieweit ist der Wohnwert der eigenen Immobilie als Einkommen anzurechnen?

Wohnen Sie in der eigenen Immobilie oder sind Sie Miteigentümer, müssen Sie sich den Mietwert dieser Wohnung als zusätzliches Einkommen anrechnen lassen. Ihr Nettoeinkommen erhöht sich. In der Zeit der Trennung bis zur Scheidung, wird allerdings nicht der objektiv auf dem Markt zu erzielende Mietwert angesetzt, sondern nur ein geringer Wohnwert. Grund ist, dass Sie die Immobilie nunmehr alleine bewohnen und sie vielleicht zu groß ist. Maßgeblich ist der Betrag, den Sie für eine eigene Wohnung zahlen würden. Zur Orientierung wird mithin darauf abgestellt, dass man ein Drittel seines Einkommens für eine angemessene Miete ausgeben würde. Zahlen Sie die Hauslasten, können Sie die Kreditraten in voller Höhe abziehen sowie die Umlagekosten einer Eigentumswohnung. Die reinen Verbrauchskosten sind nicht zu berücksichtigen. Erst nach der Scheidung wird der Wohnwert so hoch wie die Miete eingesetzt, die ein potentieller Mieter für diese Wohnung zahlen müsste.

Welcher Stichtag zählt für den Trennungsunterhalt?

Für die Berechnung des Trennungsunterhalts zählt der Tag Ihrer Trennung als Stichtag. Ihr maßgebliches Einkommen wird also nach diesem Stichtag berechnet. Erhöht sich allerdings der Lohn durch eine Tariferhöhung oder eine Regelbeförderung, die automatisch den Lebensstandard Ihrer Ehe erhöht hätte, ist die Lohnerhöhung auch bei der Berechnung des Trennungsunterhalts zu berücksichtigen. Nicht zu erwartende Lohnerhöhungen, beispielsweise infolge eines Karrieresprungs, bleiben unberücksichtigt.

Inwieweit werden besonders hohe Einkommen berücksichtigt?

Ist Ihr Ehepartner Großverdiener, ist zu berücksichtigen, dass ein Teil davon gewöhnlich nicht für den Familienunterhalt, sondern zur Vermögensbildung verwendet wird. Dieser Teil wird bei der Unterhaltsmessung meist nicht berücksichtigt (BGH FamRZ 2007, 1532). Ihre Teilnahme an der Vermögensbildung des Partners ist nämlich nicht Zweck des Unterhaltsanspruchs. Als Orientierung gelten in etwa Verdienste über 5.500 €. Möchten Sie auch diesen Betrag in die Unterhaltsberechnung einbeziehen, müssten Sie nachweisen, dass der über diese Grenze hinausgehende Betrag auch zur Zeit Ihrer Ehe für Unterhaltszwecke verwendet wurde. Im Übrigen kann der Vermögenszuwachs im Rahmen des Zugewinnausgleichs seinen Niederschlag finden.

Fazit

Bei gerichtlich ausgetragenen Unterhaltsstreitigkeiten gibt es oft weder Gewinner noch Verlierer. Wenn Sie einbeziehen, dass sich die Gerichts- und Anwaltsgebühren nach dem zwölffachen Betrag des geforderten Unterhalts bemessen, haben Sie gute Gründe, sich einvernehmlich auf eine angemessene Unterhaltszahlung zu verständigen. Eine Trennungsfolgenvereinbarung ist dafür das richtige Werkzeug. Wenn Sie sich dann auch noch einvernehmlich scheiden lassen und die Scheidung möglichst als Online-Scheidung in die Wege leiten, können Sie viel erspartes Geld in den Aufbau neuer Lebensperspektiven investieren.

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