Ablauf der Scheidung – wann brauchen Sie einen Anwalt?
Am Anfang einer Trennung können Sie einiges noch selbst anstoßen. Sie können die Trennung aussprechen, das Trennungsjahr beginnen lassen, aus der Ehewohnung ausziehen und erste Fragen zu Unterhalt oder Vermögen in Gang bringen.
Aber: Im weiteren Verlauf zeigt sich oft, warum es sinnvoll ist, früh Unterstützung an Bord zu holen. Denn sobald es um den eigentlichen Scheidungsantrag und die gerichtlichen Schritte geht, wird anwaltliche Vertretung nötig.
Was muss ich nach einer Trennung beachten?
So finden Sie Unterstützung bei einer Trennung und wissen, welche ersten Schritte Sie im Hinblick auf eine spätere Scheidung unternehmen sollten.
Ohne Anwalt können Sie zunächst noch selbst...
- den Ausspruch der Trennung erklären,
- das Trennungsjahr beginnen lassen, gegebenenfalls mit Auszug aus der Ehewohnung,
- erste Fragen zu Kindesunterhalt und/oder Trennungsunterhalt anstoßen oder mit dem anderen Ehegatten besprechen,
- das Trennungsjahr abwarten und die Lage in Ruhe sortieren.
Einen Anwalt bei der Scheidung brauchen Sie...
- bei der Einreichung des Scheidungsantrags, gegebenenfalls auch zusammen mit einem Verfahrenskostenhilfeantrag,
- bei Anträgen zur Klärung von Scheidungsfolgen,
- bei Anträgen, die das Verfahren selbst betreffen, etwa wenn Sie den Gerichtstermin online durchführen möchten,
- bei der Durchführung des Scheidungstermins,
- beim Verzicht auf Rechtsmittel gegen den Scheidungsbeschluss vor 4 Wochen Ablauffrist nach der Verhandlung (zum Beispiel, wenn Sie direkt nach der Scheidung wieder schnell neu heiraten möchten).
Warum diese Unterscheidung wichtig ist
Sie können also zunächst vieles selbst in Gang setzen, sollten aber nicht darauf vertrauen, dass das bis zum Ende reicht. Gerade Unterhalt, Vermögen, Versorgungsausgleich und spätere Scheidungsfolgen sind oft deutlich besser aufgehoben, wenn früh jemand mit Erfahrung mitdenkt. Genau deshalb ist der frühe Blick auf einen Anwalt meist keine Überreaktion, sondern eine vernünftige Vorbereitung.
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Wie läuft meine Scheidung ab?
Welche Vorteile hat es, den Scheidungsanwalt bereits ab der Trennung zu haben?
Ein Anwalt, der Sie schon ab der Trennung begleitet, kennt Ihre Situation nicht erst dann, wenn alles schon festgefahren ist. Er oder sie kann früh mitdenken, Unterlagen sichern und Streitpunkte ordnen, bevor daraus ein Problem wird. Gerade bei Unterhalt, Vermögen und Versorgungsausgleich zahlt sich das oft besonders aus.
Trennungszeitpunkt verlässlich dokumentieren
Der Trennungszeitpunkt ist für viele spätere Fragen wichtig. Er markiert nicht nur den Beginn des Trennungsjahres, sondern kann auch für Unterhalt und spätere Berechnungen eine Rolle spielen. Ein anwaltliches Schreiben zur Trennung schafft hier Ordnung und Beweissicherheit.
Beispiel: Sie trennen sich im Februar, sprechen das aber zunächst nur mündlich aus. Drei Monate später streiten Sie über den genauen Beginn der Trennung. Wenn ein Anwalt den Zeitpunkt durch einen im Namen von Ihnen ausgestellten Trennungsbrief versendet, lässt sich diese Frage sauber belegen.
Wie Ihre Trennungserklärung aussehen kann
Um die Beendigung zum Beispiel einer Bedarfsgemeinschaft zu beantragen und bald wieder auf eigenen Füßen zu stehen.
Eigenes Vermögen aufstellen, Lücken beim Anderen erkennen
Schon bei der Trennung sollten Sie wissen, was an Konten, Sparguthaben, Fahrzeugen, Versicherungen oder sonstigem Vermögen vorhanden ist. Wer früh eine Vermögensaufstellung macht, verliert später weniger den Überblick und kann besser beurteilen, was im Zugewinn überhaupt relevant wird. Vor allem dann, wenn Sie Ihre Hausaufgaben nach Anleitung des Anwalts gemacht haben, Sie dann aber daraufhin in der Lage sind, im Vermögensverzeichnis des Partners Lücken zu erkennen.
Beispiele:
- Sie haben ein gemeinsames Girokonto, ein Depot und ein Auto, aber auch ein eigenes Sparkonto. Wenn Sie erst spät sortieren, was wozu gehört, oder gemeinsame Assets gar nicht auflösen, wird es schnell unübersichtlich.
- Obendrein wollen Sie das Auto im Trennungsjahr vielleicht auch vorwiegend nutzen, und müssen wissen, wie Sie das rechtssicher begründen.
- Zu guter Letzt schwebte Ihnen lediglich im Hinterkopf, dass Ihr Partner vor Ihrer Ehe noch einen Bungalow seiner Eltern geschenkt bekommen hatte. Durch die professionelle Anleitung eines Anwalts fällt Ihnen das jetzt ein, und man kann hier ggf. eine Wertsteigerung der Immobilie prüfen lassen.
Wie hoch ist mein Unterhaltsanspruch?
So erfahren Sie, wie viel Ihr(e) Ex verdient und können Ihren Unterhaltsanspruch berechnen.
Versorgungsausgleich vorbereiten
Der Versorgungsausgleich wird oft erst spät ernst genommen, obwohl er später viel Zeit kosten kann. Ein Anwalt kann früh dabei helfen, die dafür nötigen Daten zusammenzutragen und Anrechte zu erfassen. Das ist besonders hilfreich, wenn Ihre Rentensituation nicht ganz schlicht ist.
Beispiel: Einer von Ihnen war verbeamtet, der andere in Teilzeit beschäftigt. Dann ist der Versorgungsausgleich kein Nebenthema, sondern kann später eine große Rolle spielen. Wer zum Beispiel früh weiß, welche Unterlagen er sammeln muss, spart hinten raus Zeit.
Kindes- und Trennungsunterhalt berechnen lassen
Sobald die Trennung da ist, werden Unterhaltsfragen akut. Dabei geht es als erstes um Kindesunterhalt und Trennungsunterhalt. Ein Anwalt kann hier früh deren Summen berechnen und zur Not auch durchsetzen. Vor allem müssen Sie nicht darauf hoffen, dass das Jugendamt – wenn Sie dies als Beistand für Kindesunterhaltsfragen beiziehen – schon ausreichend Kapazitäten hat.
Beispiel: Die Kinder leben bei Ihnen, der andere Elternteil verdient über dem sogenannten Selbstbehalt, oder gar deutlich mehr. Dann geht es sofort um Kindesunterhalt. Wenn zusätzlich Ihre eigene wirtschaftliche Lage schwächer ist, kann auch Trennungsunterhalt eine Rolle spielen.
Unterhaltsforderungen der Gegenseite prüfen
Nicht nur Ihre eigenen Ansprüche sind wichtig. Oft kommen auch Forderungen der Gegenseite auf Sie zu. Dann hilft es, wenn jemand früh prüft, ob diese Forderungen überhaupt passen, überzogen sind oder nur behauptet werden.
Beispiel: Sie erhalten plötzlich eine hohe Unterhaltsforderung und sollen angeblich schnell reagieren. Wenn Sie schon anwaltlich begleitet werden, müssen Sie nichts im Zustand der Aufregung entscheiden, sondern können die Forderung erst einmal sauber prüfen lassen.
Scheidungsfolgenvereinbarung vorbereiten
Wenn die Scheidung absehbar ist, kann eine Scheidungsfolgenvereinbarung sehr sinnvoll sein. Dort kann vor allem der nacheheliche Unterhalt geordnet geregelt werden. Genau hier ist frühe anwaltliche Begleitung wertvoll, weil Sie noch Gestaltungsspielraum haben, bevor alles vor Gericht landet.
Beispiel: Sie wollen sich einvernehmlich scheiden lassen, sind sich aber über die wirtschaftlichen Folgen noch nicht einig. Dann ist die Arbeit an einer Vereinbarung vor dem Gerichtstermin sinnvoller als ein später Streit über jeden einzelnen Punkt.
Anwalt ab der Trennung vs. erst mit dem Scheidungsantrag: Wie ist der Kostenunterschied?
Die Kosten für eine frühe Mandatierung des Anwalts im Gegensatz zu einer Last Minute unterscheiden sich oft weniger stark, als viele zunächst erwarten.
Der Grund ist einfach: Der eigentliche Aufwand entsteht in vielen Fällen ohnehin. Ob Sie den Anwalt früher einschalten oder erst kurz vor der Scheidung, ändert deshalb häufig nicht den Grundaufwand, sondern nur den Zeitpunkt, an dem er anfällt.
Früh dabei zu sein bedeutet also oft nicht, doppelt zu zahlen, sondern dieselben Schritte nur geordneter und mit mehr Vorlauf zu erledigen.
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Wer den Anwalt schon ab der Trennung einbindet, muss kurz vor knapp nicht alles auf einmal erledigen. Der Anwalt kennt Ihre Situation bereits, wenn es später an den Scheidungsantrag geht. Das spart oft Nerven, weil nicht erst in letzter Minute die komplette Vorgeschichte zusammengesucht werden muss.
Zusammengefasst: Für den Scheidungsantrag brauchen Sie den Anwalt zwingend. Sinnvoll ist er aber oft schon ab der Trennung, weil dann die wichtigen Themen früh geordnet werden können. Wer rechtzeitig Unterhalt, Vermögen, Versorgungsausgleich und mögliche Folgeregelungen im Blick behält, ist später meist deutlich besser aufgestellt.
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