Ratgeber

Warum Unterhaltsrechner im Netz nichts taugen

So berechnen Sie Ihren Unterhalt richtig

Es könnte so einfach sein. Sie freuen sich, dass Sie im Netz einen Unterhaltsrechner gefunden haben. Sie geben Ihr Einkommen und Ihre familiären Verhältnisse ein. Jetzt erwarten Sie voller Hoffnung, wie viel Unterhalt Sie einfordern können oder zahlen müssen. Immerhin spuckt der Unterhaltsrechner eine konkrete Zahl aus. Sie wissen aber nicht, wie zuverlässig das Ergebnis wirklich ist. Sie können es aber auch nicht besser wissen, wenn Sie nicht wissen, auf welche Faktoren es dabei wirklich ankommt. Wir erklären Ihnen, warum Unterhaltsrechner im Netz nichts taugen und wie Sie Ihren Unterhalt richtig berechnen.

Das Wichtigste

  • Unterhaltsrechner im Netz bieten eine erste Orientierungshilfe zur Unterhaltsberechnung.
  • Unterhaltsrechner im Netz berechnen Unterhaltsansprüche nach Standards. Das Ergebnis ist nur so gut, wie die Daten, die Sie eingeben. Kennen Sie nicht alle wesentlichen Faktoren, ist das Ergebnis zwangsläufig nur die halbe Wahrheit.
  • Möchten Sie Ihren Unterhaltsanspruch oder Ihre Unterhaltspflicht zuverlässig beurteilen, sollten Sie den Unterhalt nach Maßgabe Ihrer familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse individuell berechnen lassen. Nutzen Sie dazu unser maßgeschneidertes Angebot.

Wie zuverlässig ist ein Unterhaltsrechner im Netz?

Das Ergebnis, das ein Unterhaltsrechner nach Abfrage Ihrer Daten errechnet, ist mehr Schein als Sein. Der Rechner berechnet den Unterhalt nach den Daten, die Sie eingeben. Insofern ist das Ergebnis relativ korrekt. Dennoch kann der Unterhaltsrechner nur leisten, was Sie ihm vorgeben. Wenn Sie im Internet nachsehen, fragen Unterhaltsrechner immer das gleiche Schema ab. Demgemäß sind die Ergebnisse oft nahezu gleich.

Das Problem ist, dass der Unterhaltsrechner nur sehr begrenzt Ihre familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse abfragen kann. Jede Lücke führt zwangsläufig zu verfälschten Ergebnissen. Ein Unterhaltsrechner im Netz gibt Ihnen allenfalls eine grobe Orientierung. Er ersetzt aber keinesfalls die Rechenschritte, die zur Berechnung zuverlässiger Ergebnisse unabdingbar notwendig sind. Schließlich werden Sie daran interessiert sein, als Unterhaltsberechtigter möglichst viel Unterhalt einzufordern oder umgekehrt als Unterhaltspflichtiger möglichst wenig Unterhalt zu zahlen.

Expertentipp:

Unterhalt ist nicht gleich Unterhalt. Als Unterhalt kommen in Betracht:

  • Kindesunterhalt für Ihr minderjähriges oder Ihr volljähriges, im Haushalt eines Elternteils lebendes und in der Ausbildung befindliches Kind,
  • Trennungsunterhalt für die Zeit, in der Sie bis zur Scheidung getrennt leben sowie
  • Ehegattenunterhalt für die Zeit nach Ihrer Scheidung.

Warum ist die Unterhaltsberechnung keine Standardaufgabe?

Die Unterhaltsberechnung ist abhängig von der jeweiligen Unterhaltsart.

Die Unterhaltsberechnung ist abhängig von der jeweiligen Unterhaltsart.

Jede Unterhaltsart unterliegt eigenständigen Regeln. Unterhaltsrechner im Netz können diese Regeln, wenn überhaupt, dann nur sehr begrenzt erfassen. Es gibt keine allgemeinverbindlichen oder mathematisch einheitlichen Regelwerke für die Unterhaltsberechnung. Der Gesetzgeber macht nur pauschale Vorgaben und legt die Grundsätze für die jeweilige Unterhaltsart fest. Hinzu kommt, dass in den Gerichtsbezirken der einzelnen Oberlandesgerichte unterschiedliche Leitlinien zur Anwendung kommen und so unterschiedliche Ergebnisse möglich sind.

Praxisbeispiel:

Sie fordern Ehegattenunterhalt. Der Zahlbetrag wird überwiegend nach der Differenzmethode berechnet. Danach erhalten Sie 3/7 der Differenz der Erwerbseinkommen beider Ehepartner, wobei jedem erwerbstätigen Ehepartner vorab und zusätzlich 1/7 als Erwerbstätigenbonus zugesprochen wird. In den Oberlandesgerichtsbezirken Zweibrücken, Nürnberg, Stuttgart, Bamberg, Karlsruhe oder München wird der Ehegattenunterhalt überwiegend nach dem Halbteilungsgrundsatz berechnet. Danach können Sie jeweils die Hälfte des Erwerbseinkommens des anderen Partners beanspruchen, wobei jedem erwerbstätigen Partner wiederum ein Erwerbstätigenbonus von 1/10 zukommt. Da, soweit ersichtlich, kein Unterhaltsrechner Ihren Wohnort abfragt, kann ein Unterhaltsrechner im Netz diese unterschiedlichen Ansätze nicht berücksichtigen.

Welche Ansätze können Unterhaltsrechner im Netz nicht berücksichtigen?

Eine Reihe von Ansätzen, die für die Unterhaltsberechnung wichtig sind, kann der Unterhaltsrechner im Netz nicht berücksichtigen. Voraussetzung ist nämlich, dass Sie wissen, wie bestimmte Gegebenheiten unterhaltsrechtlich einzuordnen sind. In Betracht kommen insbesondere folgende Ansätze:

  • Wie berechnen Sie Ihr sogenanntes bereinigtes Nettoeinkommen? Das bereinigte Nettoeinkommen ergibt sich, indem Sie Ihr Bruttoeinkommen um Steuern, Sozialversicherungsbeiträge, berufsbedingte Aufwendungen und ehebedingte Verbindlichkeiten reduzieren. Sie dürfen es nicht mit Ihrem Nettoeinkommen in der Lohnabrechnung gleichsetzen.
  • Die Unterhaltsrechner im Netz fragen regelmäßig nur Einkünfte aus Arbeitseinkommen ab. Abfindungen, Steuererstattungen, Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung sowie Kapitaleinkünfte spielen regelmäßig keine Rolle. Einnahmen dieser Art erhöhen aber zwangsläufig das für die Unterhaltsberechnung maßgebliche Einkommen. Darüber hinaus kommen eine Reihe zusätzlicher Einkommensmöglichkeiten in Betracht.
  • Unterhaltsrechner im Netz fragen regelmäßig nicht nach unterhaltsrechtlich relevanten Verbindlichkeiten. Auch wenn nicht jede finanzielle Last den Unterhalt reduziert, haben Verbindlichkeiten erhebliche Auswirkungen auf die Unterhaltsberechnung.
  • Kommt die Differenzmethode oder der Halbteilungsgrundsatz bei der Berechnung des Ehegattenunterhalts in Ansatz?
  • Wie wird Einkommen berücksichtigt, das ein Ehepartner aus einer überobligationsmäßigen Tätigkeit erwirbt? Ein Einkommen ist überobligationsmäßig, wenn ein unterhaltsberechtigter Ehepartner eigentlich nicht arbeiten muss, trotzdem aber einer Beschäftigung nachgeht und eigenes Geld verdient. Um Sie dann nicht völlig zu demotivieren, brauchen Sie sich, wenn überhaupt, nur einen Teil Ihrer Einkünfte auf den Unterhalt anrechnen zu lassen.
  • Wie wird der Aufwand für die private Altersvorsorge unterhaltsrechtlich erfasst?
  • Wie wird ein fiktives Einkommen berücksichtigt? Dem unterhaltspflichtigen Ehepartner wird nämlich ein fiktives Einkommen angerechnet, wenn er im Hinblick auf seine Unterhaltspflicht seinen Arbeitsplatz aufgibt, weniger arbeitet oder einfach behauptet, dass er nichts verdient. Um Ihren Unterhaltsanspruch nicht an die Wand zu fahren, muss sich Ihr Ehepartner ein fiktives Einkommen anrechnen lassen.
  • Selbst wenn Sie dem Unterhaltsrechner ein Ergebnis entlocken, kommt es beim Trennungsunterhalt oder Ehegattenunterhalt immer noch darauf an, in welchem Rahmen Sie den berechneten Unterhalt tatsächlich einfordern können. Während Sie beim Trennungsunterhalt nicht auf eine Arbeitspflicht verwiesen werden können, sind Sie beim nachehelichen Ehegattenunterhalt darauf angewiesen, dass Sie Ihre Bedürftigkeit anhand eines der sieben gesetzlich bestimmten Unterhaltstatbestände nachweisen können.

Wenn Sie einen der vorgenannten Aspekte bei einem Unterhaltsrechner im Netz berücksichtigt wissen wollen, werden Sie enttäuscht sein. Unterhaltsrechner im Netz können diese Faktoren naturgemäß nicht erfassen und in der Unterhaltsberechnung nicht verwenden.

Welche Alternative gibt es zu einem Unterhaltsrechner im Netz?

Hoffentlich haben Sie jetzt nicht das Gefühl, wir wollten Ihnen den Unterhaltsrechner im Netz irgendwie madig machen. Keineswegs ist das so. Wir möchten Sie nur darauf hinweisen, dass Unterhaltsrechner im Netz allenfalls eine Orientierungshilfe bieten, darüber hinaus aber nicht in der Lage sind, einen Unterhaltsanspruch zuverlässig zu berechnen. Unterhaltsrechner fragen nun einmal nur Standards ab.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Wladimir Iljitsch Lenin

Natürlich werden Sie jetzt fragen, welche Alternative es zu einem Unterhaltsrechner im Netz gibt? Die Alternative kann nur heißen: Lassen Sie sich den Unterhaltsanspruch nach Maßgabe Ihrer familiären und finanziellen Verhältnisse individuell berechnen.

Wie erfolgt die individuelle Unterhaltsberechnung?

Die Unterhaltsberechnung erfolgt individuell nach Ihren familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen.

Die Unterhaltsberechnung erfolgt individuell nach Ihren persönlichen Verhältnissen.

Wir bieten Ihnen gerne an, den maßgeblichen Unterhaltsbetrag individuell nach Ihren familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen zu berechnen. Sie brauchen dafür nicht eigens die Kanzlei eines Rechtsanwaltes aufzusuchen. Auf unserer Website halten wir einen Fragebogen für Sie bereit. Setzen Sie dort Ihre persönlichen Daten ein und schicken uns diesen Fragebogen per E-Mail oder gerne auch per Post zu. Wir antworten Ihnen dann per E-Mail oder per Post und schicken Ihnen die für die Unterhaltsberechnung notwendigen Unterlagen zu. Sobald uns alle Daten vorliegen, berechnen wir Ihren Unterhalt. Das Ergebnis erhalten Sie per E-Mail oder gerne auch per Post nach Hause.

Expertentipp:

Unser Angebot zur Unterhaltsberechnung hat den Vorteil, dass Sie vorher genau darüber informiert werden, mit welchem Kostenaufwand Sie für die Unterhaltsberechnung rechnen müssen. So können Sie bei uns einfach, schnell und sehr preiswert bereits ab 78,80 EUR den Unterhalt berechnen lassen. Die Berechnung an sich erfolgt durch einen unserer handverlesenen Anwälte und Kooperationspartner. Diese haben in der Unterhaltsberechnung viele Erfahrungen und verfügen über das notwendige Know-how.

Was ist, wenn ich die Einkommensverhältnisse meines Ehepartners nicht weiß?

Wenn Sie Unterhalt einfordern, sind Sie darauf angewiesen, dass Sie die Einkommens- und Vermögensverhältnisse Ihres Ehepartners oder Ex-Ehepartners genau kennen. Ihr Partner ist deshalb verpflichtet, Ihnen über seine Verhältnisse Auskünfte zu erteilen. Sie können auch verlangen, dass er/sie seine Verhältnisse belegt und dafür geeignete Nachweise vorlegt. Es genügt nicht, dass er/sie pauschal ein bestimmtes Einkommen behauptet oder bestreitet.

Expertentipp:

Sollte Ihr Ehepartner oder Ex-Partner jegliche Auskünfte zu seinen Einkommens- und Vermögensverhältnissen verweigern, müssten Sie ihn auf Auskunft verklagen. Der Richter kann nach neueren gesetzlichen Regelungen anordnen, dass Ihr Ex-Partner schriftlich versichern muss, seine Auskünfte wahrheitsgemäß und vollständig erteilt zu haben. Notfalls ist der Richter auch berechtigt, die notwendigen Auskünfte bei Arbeitgebern, Finanzämtern oder Sozialversicherungsträgern sowie Versicherungen anzufordern. Damit Sie auf diesem oft schwierigen und mühevollen Weg nicht allein sind, können Sie sich gerne durch einen unserer anwaltlichen Kooperationspartner vertreten lassen.

Welche Faktoren sind für die Berechnung von Unterhaltsansprüchen relevant?

Wir haben Ihnen jetzt nahegebracht, dass es eine ganze Reihe von Faktoren gibt, die für die Unterhaltsberechnung relevant sind. Auf genau dieser Tatsache begründet sich dann unser Vorschlag, dass Sie Ihren Unterhaltsanspruch nach Maßgabe Ihrer familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse individuell berechnen lassen. Damit Sie sehen, wie wichtig eine individuelle Berechnung ist, erklären wir Ihnen auch noch, welche Faktoren mithin relevant sein können.

Überblick Aktiva

  • Bereinigtes Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Ehepartners beim Trennungsunterhalt, des Ex-Ehepartners beim Ehegattenunterhalt oder des Elternteils beim Kindesunterhalt.
  • Bereinigtes Nettoeinkommen der unterhaltsberechtigten Person
  • Gratifikationen des Arbeitgebers
  • Renten, Pensionen
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung
  • Zinserträge aus Kapitalanlagen
  • Einnahmen aus unternehmerischen Beteiligungen
  • Krankengeld, BAföG, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Unfallrente (nicht alle Sozialleistungen gelten allerdings als Einkommen!)
  • Wohnwert der selbstgenutzten Immobilie

Gut zu wissen:

Teile des Einkommens können unter bestimmten Voraussetzungen unberücksichtigt bleiben. So werden Nettoeinkünfte über 6.000 EUR nicht vollständig in die Unterhaltsberechnung einbezogen.

Expertentipp:

Um die bereinigten Nettoeinkommen zu berechnen, müssen Sie die Stichtage für die Berechnung der bereinigten Nettoeinkommen kennen.

Überblick Passiva

  • Lohn- und Einkommensteuern
  • Sozialversicherungsbeiträge
  • Berufsbedingte Aufwendungen (5 % Pauschale, maximal 150 EUR, höhere Aufwendungen gegen Nachweis)
  • Fahrtkosten zum Arbeitsplatz
  • Umschulungskosten, Ausbildungskosten, Fortbildungskosten
  • Altersvorsorgeleistungen
  • Freibeträge
  • Selbstbehalte, Eigenbedarf
  • Verbindlichkeiten aus Darlehen, die Ihren ehelichen Lebensstandard geprägt haben
  • Unterhaltszahlungen an vorrangig unterhaltsberechtigte Personen (z.B. Vorrang des Kindesunterhalts gegenüber Ehegattenunterhalt)
  • Betreuungsfreibetrag, wenn Sie ein minderjähriges Kind betreuen
  • Abschreibungen bei Unternehmern, Selbstständigen oder Freiberuflern

Expertentipp:

Nicht jede Einnahme und nicht jede Ausgabe ist unterhaltsrechtlich tatsächlich relevant. Möchten Sie sichergehen, sollten Sie zur individuellen Berechnung eines Unterhaltsanspruchs möglichst alle Aktiva und Passiva bezeichnen. Lassen Sie Ihren Rechtsanwalt prüfen, ob und inwieweit Aktivposten oder Passivposten relevant sind. Jeder Euro, den Sie zusätzlich fordern können, ist bares Geld. Umgekehrt ist jeder Euro, den Sie nicht zahlen müssen, jeden Cent wert.

Fazit

Die Unterhaltsberechnung ist keine höhere Mathematik. Vielmehr kommt es entscheidend darauf an, Ihre familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse und die Ihres Ehepartners im Detail zu erfassen. Nur dann, wenn Sie einigermaßen zuverlässig wissen, was Sie an Unterhalt fordern oder abwehren können, sind Sie in der Lage, angemessen zu verhandeln. Nur wenn Sie angemessen verhandeln, haben Sie die Chance, ein vernünftiges Ergebnis zu erreichen.

Autor:  Volker Beeden

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