Ratgeber

Unterhaltsberechnung: Kindesunterhalt berechnen

Trennen sich die Eltern eines gemeinsamen Kindes oder leben diese nicht zusammen, stellt sich die Frage, wie der Kindesunterhalt zu erbringen ist. Dabei ist zwischen Naturalunterhalt und Barunterhalt zu unterscheiden: Derjenige Elternteil, bei dem das gemeinsame minderjährige Kind ständig lebt, leistet Naturalunterhalt, also Unterhalt durch Unterkunft, Bekleidung, Verköstigung und ähnliches. Der andere Elternteil muss Barunterhalt zahlen. Ist das Kind dagegen volljährig, sind regelmäßig beide Elternteile zu Barunterhalt verpflichtet. Wie hoch der jeweilige Barunterhalt beim Einzelkind und bei mehreren Kindern ist und wie Sie ihn berechnen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wie sich Leistungsfähigkeit, Bedürftigkeit und Rang auf die Unterhaltsberechnung auswirken

Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren. Damit müssen Eltern für den Unterhalt ihrer Kinder sorgen. Sind nun ein oder beide Elternteile zu Barunterhalt verpflichtet, sollten Sie wissen, wie sich

  • die Leistungsfähigkeit des Barunterhaltspflichtigen unter Berücksichtigung dessen Selbstbehalts
  • die Bedürftigkeit des Kindes und
  • die Rangfolge der Unterhaltsberechtigten

auf den Barunterhalt für das Kind auswirken, damit Sie den Unterhalt berechnen können.

Ob beim Barunterhaltspflichtige Leistungsfähigkeit besteht, er also den Barunterhalt für das Kind zahlen kann, ergibt sich aus der Höhe seines Erwerbseinkommens. Hat er kein oder nur ein geringes Einkommen und kein Vermögen, ist er zu Unterhaltszahlungen außerstande. Dabei wird die Leistungsfähigkeit des Pflichtigen durch den notwendigen Eigenbedarf (Selbstbehalt) begrenzt, der zur Sicherung der eigenen Existenz dient und unantastbar ist.

Der notwendige Eigenbedarf des Barunterhaltspflichtigen beträgt gegenüber minderjährigen unverheirateten Kindern und volljährigen unverheirateten Kindern bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, die im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben und sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden (sogenannte privilegierte volljährige Kinder nach § 1603 Abs. 2 BGB), bei Ausübung

  • einer Erwerbstätigkeit 1.080 EUR und
  • keiner Erwerbstätigkeit 880 EUR

Der angemessene Eigenbedarf gegenüber den anderen volljährigen Kindern beläuft sich auf monatlich mindestens 1.300 EUR (Stand: 01.01.2016).

Bei mangelnder Leistungsfähigkeit muss der Barunterhaltspflichtige sich darum bemühen, den Mindestunterhalt für seine minderjährigen Kinder sicherzustellen

Bei mangelnder Leistungsfähigkeit muss der Barunterhaltspflichtige sich darum bemühen, den Mindestunterhalt für seine minderjährigen Kinder sicherzustellen

Bei mangelnder Leistungsfähigkeit muss der Barunterhaltspflichtige sich jedoch mit allen Kräften darum bemühen, den Mindestunterhalt für seine minderjährigen Kinder sicherzustellen. Hier besteht eine gesteigerte Erwerbspflicht, wonach der Pflichtige sogar zur zusätzlichen Aufnahme eines Mini-Jobs verpflichtet sein kann. Der monatliche Zahlbetrag für den Mindestunterhalt (Mindestunterhalt gemäß Gruppe 1 der Düsseldorfer Tabelle abzüglich hälftiges Kindergeld, sofern dieses an den nicht barunterhaltspflichtigen Elternteil ausgezahlt wird) beträgt derzeit gemäß dem Anhang Zahlbeträge zur Düsseldorfer Tabelle (Stand: 01.01.2016):

  • Erste Altersgruppe (0 bis 5 Jahre):
    für das erste und zweite Kind jeweils 240 EUR, für das dritte Kind 237 EUR sowie für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 224,50 EUR.
  • Zweite Altersgruppe (6 bis 11 Jahre):
    für das erste und zweite Kind jeweils 289 EUR, für das dritte Kind 286 EUR sowie für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 273,50 EUR.
  • Dritte Altersgruppe (12 bis 18 Jahre):
    für das erste und zweite Kind jeweils 355 EUR, für das dritte Kind 352 EUR sowie für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 339,50 EUR.

Der Leistungsfähigkeit des Barunterhaltspflichtigen steht die Bedürftigkeit des barunterhaltsberechtigten Kindes gegenüber. Bedürftigkeit ist gegeben, wenn das Kind außerstande ist, seinen Unterhalt weder aus eigenen Einkünften noch eigenem Vermögen zu finanzieren. Bei minderjährigen und volljährigen privilegierten Kindern ist dies regelmäßig der Fall.

Schließlich ist für Ihre Unterhaltsberechnung der Rang des barunterhaltsberechtigten Kindes von Bedeutung. Nach dem im Unterhaltsrecht herrschenden Rangstufenprinzip sind die Barunterhaltsansprüche der Berechtigten auf den oberen Rängen vorrangig gegenüber den Ansprüchen des jeweils nachfolgenden Rangs. Folge daraus ist, dass bei einem zur Abdeckung aller Barunterhaltsansprüche nicht ausreichendem Einkommen zuerst die oberen Ränge befriedigt werden, bis letztlich der darunterliegende Rang nur einen Teil des Unterhalts oder gar nichts erhält. Nach § 1609 BGB befinden sich auf dem

  • 1. Rang die minderjährigen unverheirateten und die ihnen gleich gestellten privilegierten volljährigen Kinder.
  • 2. Rang die Elternteile (ehelich, geschieden oder nichtehelich), die aufgrund der Betreuung eines Kindes regelmäßig Anspruch auf Unterhalt bis zu seinem vollendetem dritten Lebensjahr haben oder wenn einer der sonstigen im Gesetz bestimmten Unterhaltstatbestande gegeben ist und die Ehe von langer Dauer war.
  • 3. Rang die Ehegatten und geschiedenen Ehegatten, die nicht dem 2. Rang zuzuordnen sind.
  • 4. Rang die volljährigen Kinder, die nicht dem 1. Rang zuzuordnen sind.

Expertentipp:

Der auswärts wohnende volljährige Student fällt also in den 4. Rang und kann daher gegenüber seinen Geschwistern auf dem 1. Rang leer ausgehen.

Kindesunterhalt berechnen / Berechnung Kindesunterhalt

Wollen Sie den Kindesunterhalt berechnen (lassen), erfolgt Ihre Berechnung: Kindesunterhalt in folgenden 6 Schritten:

Reales Gesamteinkommen ermitteln

Im 1. Schritt ist aus allen steuerrelevanten Brutto-Einkünften das reale Gesamteinkommen zu bilden. Bei Einkünften aus nichtselbstständiger Tätigkeit berechnen Sie das unterhaltsrelevante Einkommen aus den Lohn- bzw. Gehaltsbescheinigungen der letzten 12 Monate sowie dem letzten Steuerbescheid. Wird dagegen eine selbstständige Tätigkeit ausgeübt, sind die Bilanzen bzw. Einnahmen-/Überschussrechnungen und Steuerbescheide der letzten drei Jahre bei dem Berechnen zugrundezulegen.

Ermitteltes reales Gesamteinkommen korrigieren

Ist das reale Gesamteinkommen ermittelt, können im 2. Schritt zur Vermeidung von Unbilligkeiten für das Berechnen des Kindesunterhalts bestimmte Korrekturen erforderlich sein. Das betrifft bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Tätigkeit etwa den Erhalt einer Abfindung als Verlust für den Arbeitsplatz oder die Bewertung von überobligatorischen Tätigkeiten (also wenn der Pflichtige mehr arbeitet als er müsste). Beim Selbstständigen können steuerliche Verluste zu korrigieren sein.

Fiktive Einkünfte hinzurechnen

Mancher Pflichtige meint, er könne sich durch mutwillige Aufgabe seines Arbeitsplatzes seiner Barunterhaltspflicht entziehen

Mancher Pflichtige meint, er könne sich durch mutwillige Aufgabe seines Arbeitsplatzes seiner Barunterhaltspflicht entziehen

Mancher Pflichtige meint, er könne sich durch mutwillige Aufgabe seines Arbeitsplatzes oder der Verschleierung seiner tatsächlichen Einkünfte seiner Barunterhaltspflicht entziehen. Hier wird er aber unterhaltsrechtlich zumindest beim Mindestunterhalt so behandelt, als erziele er auch weiterhin sein bisheriges bzw. ein höheres Einkommen. Das gilt ebenso, wenn der Pflichtige trotz unzureichendem Einkommen nicht auf einen besser bezahlten Arbeitsplatz wechselt oder seine schlecht vergütete Selbstständigkeit nicht zugunsten einer gut dotierten Arbeitsstelle im erlernten Beruf aufgibt. Diese fiktiven Einkünfte sind im 3. Schritt hinzu zurechnen.

Nettoeinkommen berechnen

Zur Berechnung des Nettoeinkommens werden im 4. Schritt vom realen bzw. fiktiven Gesamteinkommen die Steuern und Sozialabgaben, aber auch Teile der Vorsorgeaufwendungen für die private Altersvorsorge abgezogen.

Bereinigtes Nettoeinkommen beziffern

Das gebildete Nettoeinkommen ist im 5. Schritt um solche Kosten zu bereinigen, die nicht zu den allgemeinen Lebenshaltungskosten gehören. Davon umfasst sind bei Einkünften aus nichtselbstständiger Tätigkeit die berufsbedingten Aufwendungen sowie bei allen Einkunftsarten die berücksichtigungsfähigen Schulden.

Kindesunterhalt berechnen mit der Düsseldorfer Tabelle

Im 6. Schritt erfolgt die eigentliche Unterhaltsberechnung, wobei zunächst das bereinigte Nettoeinkommen auf den monatlichen Betrag umgerechnet wird.

Wie die Düsseldorfer Tabelle aussieht

Aus der Düsseldorfer Tabelle können Sie den monatlichen Unterhalt der Kinder ermitteln. Die Tabelle, die für zwei Unterhaltsberechtigte ausgelegt ist, beinhaltet elf Einkommensgruppen sowie drei Altersgruppen für minderjährige Kinder und eine Altersgruppe für volljährige Kinder. Mit der Tabelle können Sie durch Einordnung des Unterhaltspflichtigen in seine Einkommensgruppe und des Kindes in seine Altersgruppe ermitteln, wie hoch sein monatlicher Unterhalt ist.

Die Düsseldorfer Tabelle sieht derzeit (Stand: 01.01.2017) wie folgt aus, wobei das Kindergeld keine Berücksichtigung findet:

Nettoeinkommen des Barunter­haltspflichtigenAltersstufen in Jahren (§ 1612a Abs. 1 BGB) Zahlbeträge monatlich in EURProzentsatzBedarfs­kontrollbetrag monatlich in EUR
  0 - 56 - 1112 - 17ab 18  
1.bis 1.500342393460527100
2.1.501 - 1.9003604134835541051.180
3.1.901 - 2.3003774335065801101.280
4.2.301 - 2.7003944525296071151.380
5.2.701 - 3.1004114725526331201.480
6.3.101 - 3.5004385045896751281.580
7.3.501 - 3.9004665356267171361.680
8.3.901 - 4.3004935666637591141.780
9.4.301 - 4.7005205987008021521.880
10.4.701 - 5.1005486297368441601.980

Ab Einkommen von 5.101 EUR netto wird der Unterhaltsanspruch in Abhängigkeit vom Einzelfall ermittelt.

Liegt das monatliche bereinigte Nettoeinkommen des Barunterhaltspflichtigen bei über 5.101 Euro, kommt es auf die Würdigung der besonderen Verhältnisse des unterhaltsberechtigten Kindes an, insbesondere auch an dessen Gewöhnung des von seinen Eltern während des Zusammenlebens gepflegten aufwändigen Lebensstils. Für die Führung dieses Lebensstils ist das Kind bzw. der Elternteil, der für das Kind den Unterhalt geltend macht, darlegungs- und beweispflichtig. Ein Luxusleben steht dem Kind jedoch nicht zu (Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg, Beschluss vom 24.11.2011, Az.: 9 UF 70/11, unter Zusammenfassung der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs).

Abgelehnt haben die Brandenburger Richter daher

  • 2.000 Euro für einen Skiurlaub nach Skandinavien und weitere Reisen
  • Kosten für Klassenfahrten
  • Kosten für teure Sportarten, hier das im Verein betriebene BMX-Fahrradfahren
  • zusätzliche 100 Euro monatlich für besonders teure Markenkleidung

So wird der Zahlbetrag ermittelt

In der Düsseldorfer Tabelle ist das Kindergeld nicht berücksichtigt. Die Höhe des monatlichen Kindergeld beträgt aktuell (Stand: 01.01.2017)

  • für das erste und zweite Kind 192 EUR
  • für das dritte Kind 198 EUR
  • ab dem vierten Kind 223 EUR

Wird das Kindergeld an den nicht barunterhaltspflichtigen Elternteil für das minderjährige Kind bzw. unmittelbar an das volljährige Kind gezahlt, mindert es dessen Bedarf. In diesen Fällen ist beim

  • minderjährigen Kind der Barunterhalt des Pflichtigen um das hälftige Kindergeld zu kürzen.
  • volljährigen Kind der Bedarf und damit der Kindesunterhalt um das volle Kindergeld zu kürzen, womit das Kindergeld im Ergebnis bei beiden, aufgrund der Volljährigkeit barunterhaltspflichtigen Elternteilen berücksichtigt ist.

Die jeweiligen Zahlbeträge lassen sich aus dem „Anhang: Tabelle Zahlbeträge“ zur Düsseldorfer Tabelle ersehen, wobei das für das 3. bzw. ab dem 4. Kind erhöhte Kindergeld eingearbeitet ist:

Bereinigtes Nettoeinkommen des Barunter­haltspflichtigenAltersgruppen in Jahren (§ 1612a Abs. 1 BGB) Zahlbeträge monatlich in EURProzentsatzBedarfs­kontrollbetrag monatlich in EUR
0 - 56 - 1112 - 17ab 18
1.bis 1.500342393460527 100
1. und 2. Kind246,00297,00364,00335,00
3. Kind243,00294,00361,00329,00
ab dem 4. Kind230,50281,50348,50304,00
2.1.501 - 1.900360413483554 1051.180
1. und 2. Kind264,00317,00388,00362,00
3. Kind261,00314,00385,00356,00
ab dem 4. Kind248,50301,50371,50331,00
3.1.901 - 2.300377433506580 1101.280
1. und 2. Kind281,00337,00410,00388,00
3. Kind278,00334,00407,00382,00
ab dem 4. Kind265,50321,50394,50357
4.2.301 - 2.700394452529607 1151.380
1. und 2. Kind298,00356,00433,00415,00
3. Kind295,00353,00430,00411,00
ab dem 4. Kind282,50340,50417,50384,00
5.2.701 - 3.100411472552633 1201.480
1. und 2. Kind315,00376,00456,00441,00
3. Kind312,00373,00453,00435,00
ab dem 4. Kind299,50360,50440,50410,00
6.3.101 - 3.500438504589675 1281.580
1. und 2. Kind342,00408,00493,00483,00
3. Kind339,00405,00490,00477,00
ab dem 4. Kind326,50392,50477,50452,00
7.3.501 - 3.900466535626717 1361.680
1. und 2. Kind370,00439,00530,00525,00
3. Kind367,00436,00527,00519,00
ab dem 4. Kind354,50423,50514,50494,00
8.3.901 - 4.300493566663759 1141.780
1. und 2. Kind397,00470,00567,00567,00
3. Kind394,00467,00564,00561,00
ab dem 4. Kind381,50454,50551,50536,00
9.4.301 - 4.700520598700802 1521.880
1. und 2. Kind424,00503,00604,00610,00
3. Kind421,00499,00601,00604,00
ab dem 4. Kind408,50486,50588,50579,00
10.4.701 - 5.100548629736844 1601.980
1. und 2. Kind452,00533,00640,00652,00
3. Kind449,00530,00637,00646,00
ab dem 4. Kind436,50517,50624,50621,00

Was sonst noch bei dem Berechnen des Kindesunterhalts wichtig ist

Eine monatliche Ausbildungsvergütung, die während der Berufsausbildung des Kindes vom Ausbildungsbetrieb gezahlt wird, mindert den Bedarf des Kindes und ist daher auf seinen Unterhalt anzurechnen. Lebt das Kind im Haushalt der Eltern bzw. eines Elternteils, steht ihm jedoch ein monatlicher ausbildungsbedingten Mehrbedarf in Höhe von 90 EUR zu. Um diesen Betrag ist die Ausbildungsvergütung vor der Unterhaltsanrechnung zu kürzen.

Studiert das Kind und lebt es nicht mehr im Haushalt der Eltern bzw. eines Elternteils, beträgt sein monatlicher Unterhaltsanspruch 735 EUR. Darin nicht enthalten sind seine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie seine Studiengebühren, so dass der Student diese bei entsprechender Leistungsfähigkeit der Eltern zusätzlich verlangen kann. Für ein Kind mit eigenem Haushalt kann der Betrag in Höhe von monatlich 735 EUR ebenfalls angesetzt werden.

Praxisbeispiel:

Nach der Scheidung lebt das gemeinsame 17-jährige Kind A bei der Mutter, die ein monatliches bereinigtes Nettoeinkommen in Höhe von 1.250 EUR erzielt. Im Rahmen seiner Ausbildung erhält A eine durchschnittliche monatliche Nettovergütung in Höhe von 450 EUR, das Kindergeld wird an die Mutter gezahlt. Das gemeinsame Kind B studiert und lebt auswärts in einem Studentenwohnheim, wobei das Kindergeld unmittelbar an B ausgezahlt wird. Das monatliche bereinigte Nettoeinkommen des barunterhaltspflichtigen Vaters beträgt 2.000 EUR. A und B möchten Barunterhalt.

Folge: Die Unterhaltsansprüche des Kindes A sind gegenüber denjenigen des Kindes B vorrangig, da A den 1. Rang und B nur den 4. Rang innehat, vgl. § 1609 BGB. Daher sind zuerst die Unterhaltsansprüche von A zu befriedigen.

Die Mutter schuldet A keinen Barunterhalt, da sie Naturalunterhalt leistet. Aber auch gegenüber B ist sie nicht zu Barunterhalt verpflichtet, da sich ihr monatlicher Selbstbehalt gegenüber B auf 1.300 EUR beläuft und sie nur monatlich 1.250 EUR zur Verfügung hat.

Der Vater ist in die 3. Einkommensgruppe der Düsseldorfer Tabelle einzuordnen, die für zwei Unterhaltsberechtigte ausgelegt ist, ohne dass es auf deren Rang ankäme. Aus der entsprechenden Altersgruppe kann dann der monatliche Unterhalt für das Kind A wie folgt ermittelt werden:

Kind A (17 Jahre): 506 EUR

Die monatlich 450 EUR betragende Ausbildungsvergütung ist nicht in voller Höhe auf den Bedarf von A anzurechnen, sondern zuerst um den monatlichen ausbildungsbedingten Mehrbedarf von 90 Euro zu kürzen. Damit dürfen nur 360 EUR angerechnet werden, so dass der Bedarf von A sich auf monatlich 146 EUR beläuft (506 EUR Tabellenunterhalt abzüglich 360 EUR fehlender Bedarf). Aber auch das an die Mutter gezahlte Kindergeld ist bedarfsmindernd anzurechnen, so dass der Vater von den monatlichen 146 EUR das hälftige Kindergeld abziehen darf. Damit schuldet er A einen monatlichen Kindesunterhalt von 50 EUR (146 EUR abzüglich 96 EUR hälftiges Kindergeld).

Dem Vater verbleiben monatlich 1.950 EUR (2.000 EUR bereinigtes Nettoeinkommen abzüglich 50 EUR Unterhalt für A), dem der monatliche Unterhaltsanspruch von B über 735 EUR zuzüglich Kranken- und Pflegeversicherung sowie Studiengebühren gegenüber steht. Dabei ist zunächst das an B gezahlte Kindergeld bedarfsmindernd zu berücksichtigen, so dass sich der monatliche Unterhaltsanspruch nur noch auf 543 EUR beläuft (735 EUR Gesamtbedarf – 192 EUR Kindergeld).

Der Vater muss diese 543 EUR zahlen, womit ihm noch 1.407 EUR monatlich verbleiben. Soweit B auch noch Barunterhalt für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Studiengebühren möchte, ist der auch dem Vater zustehende Selbstbehalt von 1.300 EUR zu beachten.

Das Wichtigste noch einmal zusammengefasst:

  • Verwandte in gerader Linie schulden einander Unterhalt, § 1601 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).
  • Der Anspruch auf Barunterhalt setzt Leistungsfähigkeit beim Pflichtigen und Bedürftigkeit beim Kind voraus. Dem Pflichtigen steht zwar ein unantastbarer und seine Leistungsfähigkeit begrenzender Selbstbehalt zu, er muss aber für minderjährige Kinder deren Mindestunterhalt stets sicherstellen.
  • Der Barunterhalt für minderjährige unverheiratete und ihnen gleichgestellte privilegierte Kinder ist gegenüber allen anderen Unterhaltsansprüchen vorrangig (Rangstufenprinzip).
  • Maßgeblich für das Berechnen des Kindesunterhalts ist die Düsseldorfer Tabelle, wobei sich der Tabellenunterhalt nach dem jeweiligen bereinigten Nettoeinkommen des Barunterhaltspflichtigen richtet. Das bereinigte Nettoeinkommen ist das Nettoeinkommen nach Abzug bestimmter Positionen. Das Nettoeinkommen wird wiederum aus dem realen Bruttoeinkommen einschließlich dessen Korrekturen sowie der Anrechnung von fiktiven Einkünfte gebildet.
  • Wird die Kindergeld Tabelle für das minderjährige Kind an den nicht barunterhaltspflichtigen Elternteil ausbezahlt, verringert sich der Zahlbetrag des Barunterhaltspflichtigen um das hälftige Kindergeld. Wird das Kindergeld an das volljährige Kind ausbezahlt, mindert sich dessen Bedarf um das volle Kindergeld.
  • Die Ausbildungsvergütung mindert den Bedarf des bei einem Elternteil lebenden Kindes und verringert damit seinen Unterhaltsanspruch. Von der Ausbildungsvergütung ist jedoch vor der Anrechnung auf den Bedarf ein bestimmter Betrag für den ausbildungsbedingten Mehrbedarf abzuziehen.
  • Der Gesamtbedarf eines nicht bei seinen Eltern oder einem Elternteil lebenden Studenten richtet sich nach einem monatlichen Festbetrag.

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